Straße von Hormus blockiert
Treibstoffknappheit droht – Deutschland gibt Diesel ab
Aktualisiert am 05.04.2026 – 16:52 UhrLesedauer: 3 Min.

Die Blockade der Straße von Hormus trifft Europa hart. Experten warnen: Vor allem beim Diesel könnte die Lage in den kommenden Tagen kippen.
Die Energiekrise infolge der Eskalation im Nahen Osten erreicht Europa mit voller Wucht. Mehrere Tanker mit Diesel und anderen Treibstoffen, die ursprünglich europäische Häfen anlaufen sollten, haben ihren Kurs geändert. Statt nach Amsterdam oder anderen Zielen liefern sie ihre Ladung nun wohl nach Asien – dorthin, wo Käufer derzeit deutlich mehr zahlen.
Der Tanker „Elka Delphi“ war mit rund 1,2 Millionen Barrel Diesel auf dem Weg nach Europa, als er vor der Küste Spaniens plötzlich stoppte, den Kurs änderte und wieder abdrehte. Nach Informationen von Bloomberg wurde die Ladung unterwegs weiterverkauft. Neues Ziel des Tankers soll Durban in Südafrika sein – ein Zwischenstopp auf dem Weg nach Asien. Insgesamt sollen Berichten zufolge inzwischen mindestens vier Diesel-Tanker mit zusammen rund 190 Millionen Litern Treibstoff umgeleitet worden sein.
Der Grund ist vorwiegend wirtschaftlicher Natur: In Asien werden für Diesel und Vorprodukte wie Gasöl derzeit deutlich höhere Preise gezahlt als in Europa. Laut den Berichten liegt der Preisunterschied bei umgerechnet rund 200 Euro pro Tonne. Für Händler ist das ein starker Anreiz, Ladungen kurzfristig umzuleiten. Der Hintergrund ist die anhaltende Blockade der Straße von Hormus, einer der wichtigsten Schifffahrtsrouten der Welt.
Normalerweise passieren rund 20 Prozent der weltweiten Ölförderung die Meerenge. Auch große Mengen raffinierter Produkte wie Diesel, Kerosin und Bunkeröl für Schiffe werden über die Route transportiert. Fällt dieser Verkehrsweg aus, geraten nicht nur die Rohölmärkte unter Druck – sondern vor allem die Versorgung mit bereits verarbeitetem Treibstoff.
Der Wirtschaftswissenschaftler und Nobelpreisträger Paul Krugman warnt, die Krise stehe erst am Anfang. Bislang seien die Preissprünge vor allem spekulativ gewesen, weil sich noch viel Öl auf Schiffen befunden habe, die die Golfregion vor der Blockade verlassen hatten. Doch diese Schonfrist ende nun. Für Asien dürften Lieferungen nach seiner Einschätzung bereits in diesen Tagen versiegen, für Europa kommende Woche. Dann werde aus der Preiskrise eine reale Versorgungskrise.
An den Märkten ist die Nervosität bereits deutlich sichtbar. Der Ölpreis Brent sprang zeitweise auf 117 Dollar pro Barrel und damit auf den höchsten Stand seit 2022. Noch gravierender ist die Lage aber beim Diesel. Nach Einschätzung von Thomas Puls vom Institut der deutschen Wirtschaft sind raffinierte Produkte inzwischen knapper als Rohöl selbst. Gerade Diesel, Kerosin und Bunkeröl wiesen deutlich stärkere Preissprünge auf. Das sei für Verbraucher besonders heikel, weil genau diese Stoffe den Güterverkehr, die Logistik und damit große Teile der Wirtschaft am Laufen hielten.