Wehrpflicht in der Diskussion
Leserdebatte zeigt eindeutiges Ergebnis
06.10.2026 – 17:45 UhrLesedauer: 3 Min.
Eine deutliche Mehrheit der t-online-Leser spricht sich in der Debatte zum Wehrdienst für eine Verpflichtung aus. Vielen geht es dabei nicht nur um die Bundeswehr, sondern um eine gesellschaftliche Dienstpflicht für Männer und Frauen.
Der russische Angriffskrieg gegen die Ukraine und hybride Angriffe setzen Europa unter Druck. Um für den Verteidigungsfall vorzusorgen, trat Anfang des Jahres das vom Bundestag beschlossene Wehrdienst-Modernisierungsgesetz in Kraft, das einen freiwilligen Wehrdienst mit verpflichtender Musterung für junge Männer ab dem Jahrgang 2008 vorsieht. Melden sich nicht genügend Freiwillige für den Wehrdienst, kann der Bundestag in einem erneuten Gesetzgebungsverfahren eine Bedarfswehrpflicht beschließen.
Seit der Einführung dieser Maßnahme gibt es Proteste gegen die potenzielle Wiedereinführung der Wehrpflicht. Auch die Zahl der Anträge auf Kriegsdienstverweigerung steigt stark an. In der t-online-Debatte haben wir Leser gefragt: Sollte die Wehrpflicht wieder eingeführt werden?
90 Prozent der 335 Teilnehmer (Stand 16 Uhr) sprachen sich dafür aus, die Wehrpflicht wieder zu aktivieren – nur zehn Prozent stimmten dagegen. In der Kommentarspalte ergibt sich bis auf wenige Ausnahmen ein klares Bild: Die Leser halten es für höchste Zeit, junge Menschen für den Wehrdienst zu verpflichten.
„Die wenigsten ‚wollen‘ Krieg“
Viele Befürworter verweisen auf eine veränderte Sicherheitslage, auf Russland oder allgemein auf die Notwendigkeit, Deutschland verteidigen zu können. Die wenigsten „wollen“ Krieg, schreibt Thomas Arp. Die Gefahr sei jedoch, dass der Krieg von außen komme, und dann müsste man gerüstet sein. Weil er bezweifelt, dass sich genügend Freiwillige für eine Berufssoldatenlaufbahn fänden, hält er die Wiedereinführung der Wehrpflicht für notwendig.
Peter Skramovsky beschreibt die Zwickmühle, in der die Bevölkerung seiner Meinung nach stecke: „Alle wollen verteidigt werden, es will nur niemand verteidigen.“ Auch Helga Gasser sieht heute eine andere Ausgangslage als zum Zeitpunkt der Aussetzung der Wehrpflicht: „Heute müssen wir verteidigungsbereit sein. Ein aggressiver Staat muss wissen, dass der andere Staat sich verteidigen und einen Gegner in die Flucht schlagen kann.“ Werner Streicher hebt die Bedeutung der Bundeswehr für die Verteidigung der Freiheit und Demokratie hervor.
Leser fordern Dienst für alle
Viele Teilnehmer wollen sowohl junge Männer als auch Frauen vor die Wahl zwischen einem militärischen und einem zivilen Dienst stellen. Ulrich Rothweiler hält das im Sinne der Gleichberechtigung für notwendig – es gebe auch genügend Aufgaben in den sozialen Bereichen wie Kindergärten, Schulen, der Krankenpflege oder Altersheimen. Ingrid Bleyer hält mit dem Argument der Erziehungsarbeit dagegen: „Kinderkriegen werden Männer jedoch ungeachtet dieser Entscheidung auch weiterhin nicht können. Und auch die Erziehung verbleibt derzeit weitgehend bei den Frauen.“
Für Dirk Goedecke und einige andere Leser gehören „Rechte und Pflichten zusammen“. Wer in einer Gesellschaft lebe und von ihrem Schutz und ihren Leistungen profitiere, solle auch bereit sein, etwas dafür zu tun. Dirk Dickmann berichtet von eigenen Erfahrungen mit dem Wehrdienst und schreibt, er habe sich damals nicht darauf gefreut – die dort gemachten Erfahrungen, Disziplin, Respekt und Kameradschaft seien ihm aber in guter Erinnerung geblieben.