Rewe, Kaufland und Co. äußern sich

Ladendiebstahl an SB-Kassen: So schlägt der Handel zurück


Aktualisiert am 15.06.2026 – 08:18 UhrLesedauer: 4 Min.

KI-basierte Altersverifikation und Frischwarenerkennung

Ein Testeinkäufer steht an einer SB-Kasse: Er wird von einer Kamera gefilmt. (Quelle: Christoph Annemüller/Diebold Nixdorf/dpa/dpa-bilder)

Den eigenen Einkauf ohne Aufsicht scannen? Das klingt nach einem Paradies für unehrliche Kunden. Doch die Überwachung steckt im Detail.

Wer im Supermarkt, beim Discounter oder im Drogeriemarkt einkauft, hat oftmals die Wahl, zu einer gängigen Kasse mit Personal oder zu einer Selbstbedienungskasse (SB-Kasse) zu gehen. Selbst im Baumarkt und Modegeschäft gibt es letztere bereits.

Laut dem Handelsforschungsinstitut EHI gab es 2025 rund 38.650 SB-Kassen in Deutschland – jede 18. Kasse im Handel ist mittlerweile eine solche. Noch zwei Jahre zuvor waren es lediglich 16.000 in rund 4.270 Geschäften. Ihre Zahl hat sich also mehr als verdoppelt.

Info

Laut Umfragen nutzen fast zwei Drittel der Verbraucher SB-Kassen. Am intensivsten nutzen sie die unter 39-Jährigen. Sie loben etwa die Schnelligkeit. Ab 45 Jahren nimmt die Bereitschaft allerdings kontinuierlich ab. Ihnen fehlt es an persönlichem Kontakt. Zudem scheuen sie technische Probleme.

Gleichzeitig ist das Niveau der Ladendiebstähle hoch. So lag die Zahl der einfachen Ladendiebstähle für das Jahr 2025 bei 357.651 Fällen. Das ist zwar ein Rückgang von 5,7 Prozent. Doch dabei handelt es sich nur um die erfassten Zahlen. Die Dunkelziffer dürfte laut dem Handelsverband Deutschland (HDE) deutlich höher sein. Somit bilde die Statistik nur einen Bruchteil der Realität ab.

Spielen die SB-Kassen dabei eine Rolle? Das wollte t-online von verschiedenen Händlern wissen und hat nachgefragt.

Händler halten sich bedeckt

Aldi Süd teilt mit, dass man sich „grundsätzlich nicht zu internen Prozessen“ äußere. Aldi Nord hingegen verweist darauf, dass Self-Checkout-Kassen, wie SB-Kassen auch genannt werden, nur in „wenigen, ausgewählten Filialen“ getestet würden. Die Presseabteilung bittet hier ebenfalls um Verständnis, dass man sich „zu Diebstählen sowie zu den Sicherheitsmaßnahmen in unseren Filialen grundsätzlich nicht“ äußere. Auch Rossmann gibt keine Auskunft, da es sich um „unternehmensinterne sowie wettbewerbs- und datenschutzrechtlich sensible Informationen“ handele.

„Kein signifikanter Einfluss“ laut Rewe

Rewe erklärt t-online: „Wir können nicht erkennen, dass ein automatischer Check-out im Markt oder Selbstbedienungskassen signifikanten Einfluss auf die Diebstahlquote eines Marktes haben.“ Man setze zudem auf umfangreiche Schutzmaßnahmen. Dazu gehören Check-out-Manager, technische Kontrollroutinen, Videoüberwachung und sogenannte Exit-Gates, bei denen der Kunde zum Passieren der Schranke vorab seinen Kassenbeleg scannen muss.

Lidl will sich zu dem Thema Diebstahl zwar nicht äußern, teilte jedoch mit, dass man „branchenübliche Maßnahmen“ nutze und jeden Diebstahl zur Anzeige bringe.

Mehrstufiges Sicherheitssystem bei Kaufland

Kaufland zeigt sich hingegen offener. Das Unternehmen teilte mit, man wolle künftig alle Filialen in Deutschland mit SB-Kassen ausstatten. Zur Diebstahlprävention setze es dabei auf ein mehrstufiges System, bestehend aus Kontrollwaagen an allen SB-Kassen, stichprobenartigen Re-Scans (mehr dazu weiter unten) durch Mitarbeiter, Ausgangsschranken mit Barcode-Scan und permanenter Mitarbeiterpräsenz im SB-Bereich.

Hinzu kommt künstliche Intelligenz. Diese lerne aus auffälligen Warenkörben der Vergangenheit. „Früher kamen beim Re-Scan starre Regeln oder eine Zufallsauswahl zum Einsatz“, erklärt das Unternehmen. „Nun lernt ein selbst entwickeltes KI-Modell aus Warenkörben, die in der Vergangenheit auffällig waren.“ Das Ergebnis ist eine höhere Trefferquote bei den Kontrollen sowie eine geringere Belästigung ehrlicher Kunden. „Wer alles richtig scannt, wird künftig deutlich seltener kontrolliert“, so Kaufland.

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