Studie zeigt

Lebensmittelverpackungen verschleiern oft Herkunft


02.04.2026 – 10:27 UhrLesedauer: 2 Min.

Tomatendose (Symbolbild): „Italien“ verkauft sich – doch eine Studie zeigt, wie Verpackungen täuschen. (Quelle: naotake/getty-images-bilder)

Farben, Namen und Formulierungen auf Lebensmittelverpackungen wecken Erwartungen. Eine Studie zeigt, dass sie oft auch über die tatsächliche Herkunft von Produkten hinwegtäuschen.

Für die Studie haben die Autoren unter anderem 2.286 Personen ab 16 Jahren in Deutschland befragt. Mehr als die Hälfte (56 Prozent) von ihnen gibt an, gezielt Spezialitäten aus Deutschland zu kaufen. Gleichzeitig fällt es vielen schwer, die tatsächliche Herkunft eines Produkts zu erkennen. Nur 23 Prozent der Teilnehmenden sagen, dass ihnen dies leichtfällt.

Ein Grund dafür ist die Wirkung von Verpackungen. Schon kleine Hinweise wie fremdsprachige Begriffe, Landesfarben oder Ortsnamen können starke Erwartungen auslösen. Das zeigt ein Beispiel aus der Studie besonders deutlich: Bei einer neutral gestalteten Espresso-Packung gingen 21 Prozent davon aus, dass der Kaffee wahrscheinlich aus Italien stammt. Wurde die Verpackung jedoch mit den Farben der italienischen Flagge und italienischen Begriffen versehen, stieg dieser Anteil auf 62 Prozent.

Zwar gibt es gesetzliche Vorgaben, die vor Irreführung schützen sollen. So muss etwa angegeben werden, wenn ein Produkt nicht aus dem Land stammt, mit dem geworben wird. Doch diese Hinweise greifen oft zu kurz. Denn wie sie gestaltet oder platziert sein müssen, ist nicht genau geregelt. Die Studie zeigt, dass ihre Wirkung stark davon abhängt.

Ein Beispiel: Bei einer italienisch anmutenden „Salsiccia traditionale“ gingen 46 Prozent der Befragten davon aus, dass sie in Italien hergestellt wurde – obwohl auf der Vorderseite der Hinweis „hergestellt in Deutschland“ stand. Dieser war jedoch wie ein Stempel gestaltet und wurde offenbar nicht als klarer Hinweis wahrgenommen.

Doch genau dieses Prinzip verstehen viele nicht. Zwar konnten 75 Prozent der Befragten den Hinweis „Tomaten nicht aus Italien“ auf einer „original italienischen Pizza Salami“ richtig einordnen. Dass daraus im Umkehrschluss folgt, dass die Hauptzutat – die Salami – aus Italien stammt, erkannten jedoch nur 26 Prozent. Die Hälfte der Teilnehmenden ging davon aus, dass sich die Herkunft der Salami gar nicht erkennen lässt.

Aus Sicht von „Lebensmittelklarheit.de“ reichen die aktuellen Regelungen daher nicht aus. Die Verbraucherzentrale fordert eine verpflichtende Kennzeichnung des Herkunftslandes für alle Lebensmittel in der EU. Diese soll auch für die Hauptzutaten verarbeiteter Produkte gelten. Zudem sollten Herkunftshinweise dort stehen, wo auch mit einer bestimmten Herkunft geworben wird.

Für die Studie wurden im Dezember 2025 insgesamt 2.286 Personen ab 16 Jahren in Deutschland online befragt. Der Auftraggeber war das Projekt „Lebensmittelklarheit“, durchgeführt wurde die Untersuchung von Zühlsdorf + Partner, einer Agentur für Verbraucherforschung und Lebensmittelmarketing.

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