Studie nährt Zweifel

Hautkrebs-Screening womöglich ohne Nutzen


12.06.2026 – 12:16 UhrLesedauer: 2 Min.

Die kostenlose Hautkrebs-Früherkennung wird bislang allen gesetzlich Versicherten ab 35 Jahren angeboten (Symbolbild). (Quelle: Inside Creative House/getty-images-bilder)

Das Hautkrebs-Screening soll bösartige Veränderungen rechtzeitig erkennen und so Leben retten. Eine neue Studie findet jedoch keine Hinweise auf einen Rückgang der Sterblichkeit.

Deutschland ist weltweit das einzige Land mit einem flächendeckenden Hautkrebs-Screening. Seit 2008 können gesetzlich Versicherte die Untersuchung regelmäßig in Anspruch nehmen. Der Nutzen der Früherkennungsmaßnahme ist seit Jahren wissenschaftlich umstritten. Eine kürzlich in der Fachzeitschrift „JAMA Dermatology“ veröffentlichte Untersuchung stellt nun erneut infrage, ob das Programm wirklich Leben rettet.

Sterblichkeit sank nicht stärker als in Nachbarländern

Für die Studie verglichen die Forscher, wie sich die Sterblichkeit durch schwarzen Hautkrebs (malignes Melanom) in Deutschland im Unterschied zu derjenigen in neun Nachbarländern entwickelte, die kein bevölkerungsweites Screeningprogramm haben.

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Das Ergebnis: Zwischen 2009 und 2022 gingen die Todesfälle durch Melanome in allen untersuchten Ländern zurück – im Durchschnitt um etwa zwei Prozent pro Jahr. In Deutschland fiel dieser Rückgang jedoch nicht stärker aus als in den Nachbarstaaten. Tatsächlich war der Rückgang sogar etwas schwächer.

„Das Ergebnis ist enttäuschend“, sagt Studienleiter Joachim Hübner von der Klinischen Landesauswertungsstelle Niedersachsen. Bereits frühere Untersuchungen hätten keinen eindeutigen Nutzen des Screenings nachweisen können.

Gut zu wissen

Im Jahr 2023 erkrankten in Deutschland mehr als 27.000 Menschen neu an schwarzem Hautkrebs, Frauen etwa genauso häufig wie Männer.

Warum der Nachweis so schwierig ist

Ob ein Früherkennungsprogramm Todesfälle verhindert, lässt sich wissenschaftlich nur schwer belegen. Frühere Studien verglichen häufig Menschen, die am Screening teilnahmen, mit solchen, die darauf verzichteten. Dabei bleibt allerdings oft unklar, ob eine Untersuchung wirklich als Vorsorge oder wegen eines bereits verdächtigen Hautbefunds stattfand.

Die neue Studie wählte deshalb einen anderen Ansatz und verglich ganze Länder mit und ohne Screeningangebot. Auch diese Methode hat Grenzen, vermeidet aber einige Probleme früherer Untersuchungen.

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Mögliche Ursachen bleiben offen

Warum Deutschland trotz des Screenings keine günstigere Entwicklung zeigt, kann die Studie nicht beantworten. Die Forscher diskutieren mehrere mögliche Erklärungen.

„Es ist denkbar, dass die Untersuchung im Praxisalltag nicht immer mit der erforderlichen Qualität durchgeführt wird“, sagt Mitautor Alexander Katalinic von der Universität zu Lübeck. „Möglicherweise erreicht das Screeningangebot auch nicht die Menschen, die davon am meisten profitieren könnten. Wenn vor allem Menschen mit niedrigem Risiko teilnehmen, muss der Erfolg des Screenings begrenzt bleiben.“

Kommt ein risikobasiertes Screening?

Die Ergebnisse fallen in eine Zeit, in der die Zukunft des Hautkrebs-Screenings ohnehin bereits infrage gestellt wird. Nach Plänen der Bundesregierung soll der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) prüfen, ob ein gezieltes Screening für Risikogruppen sinnvoller wäre als das bisherige Angebot für die gesamte Bevölkerung.

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