Millionen nutzen es

Beliebtes Verhütungsmittel könnte Essanfälle begünstigen


17.06.2026 – 17:06 UhrLesedauer: 3 Min.

Frau nimmt Pille ein (Symbolbild): Hormonelle Verhütungsmittel können nicht nur körperliche Nebenwirkungen haben, sondern auch das Verhalten beeinflussen. (Quelle: SeventyFour/Thinkstock by Getty-Images-bilder)

Eine neue Studie wirft Fragen zur Antibabypille auf. Während der Einnahme berichteten Frauen häufiger über emotionales Essen als in den hormonfreien Tagen.

Kopfschmerzen, Übelkeit, Brustspannen, depressive Verstimmungen: Diese Nebenwirkungen der Antibabypille sind lange bekannt. Eine neue Studie belegt nun: Die Pille scheint auch das Essverhalten zu beeinflussen, zumindest bei manchen Frauen.

Die Forscher fanden Hinweise darauf, dass einige Frauen während der Einnahme zu emotionalem Essen neigen – bis hin zu regelrechten Essanfällen. Emotionales Essen heißt: Anstelle von Hunger oder Appetit sind es Frust, Stress oder andere belastende Gefühle, die die betroffene Person zum Essen veranlassen. Dieses Verhalten geht oft mit einem Kontrollverlust einher und kann in Essanfälle münden. Es ist typisch für Essstörungen wie die Binge-Eating-Störung oder Bulimie.

Hormone und Essen – wie hängt beides zusammen?

Seit Jahrzehnten wird darüber diskutiert, ob Frauen zunehmen, wenn sie die Pille nehmen. Nach Auswertung des Forschungsstandes kommt die aktuelle deutsche Leitlinie zur hormonellen Empfängnisverhütung jedoch zu dem Schluss, dass das nicht der Fall ist, jedenfalls nicht dauerhaft. Möglich seien vorübergehende Wassereinlagerungen von ein bis zwei Kilogramm. Eine langfristige Gewichtszunahme gelte hingegen als nicht belegt.

Den Einfluss weiblicher Geschlechtshormone auf den Appetit beziehungsweise das Essverhalten kennen viele Frauen allerdings aus eigener Erfahrung: In der zweiten Zyklushälfte – also nach dem Eisprung – verspüren sie häufiger Heißhunger. In dieser Phase sind sowohl Östrogen als auch Progesteron erhöht.

Da die meisten Antibabypillen eine Kombination künstlich hergestellter Varianten dieser Hormone enthalten, vermuteten Forscher schon länger, dass auch diese das Essverhalten beeinflussen könnten.

Mehr als 400 Frauen begleitet

Ob das tatsächlich der Fall ist, untersuchte nun ein Forschungsteam der Michigan State University. Dafür begleiteten die Wissenschaftler 422 Frauen im Alter zwischen 15 und 30 Jahren, die eine sogenannte kombinierte Antibabypille einnahmen. Diese Präparate enthalten zwei künstlich hergestellte Geschlechtshormone, die die Wirkung von Östrogen und Progesteron nachahmen.

Über mehrere Wochen dokumentierten die Teilnehmerinnen jeden Abend online unter anderem ihre Stimmung und ihr Essverhalten. Dabei gaben sie an, wie häufig sie aus negativen Gefühlen heraus mehr aßen oder das Gefühl hatten, die Kontrolle über ihr Essverhalten zu verlieren.

Mehr emotionales Essen während der Hormonphase

Bei der Auswertung verglichen die Forscher jede Teilnehmerin mit sich selbst: Wie veränderte sich ihr Essverhalten während der 21 hormonhaltigen Tabletten im Vergleich zu den sieben hormonfreien Tabletten derselben Packung?

Die Datenerhebung erstreckte sich über 49 aufeinanderfolgende Tage. Dadurch konnten die Forscher zwei Wechsel zwischen hormonhaltigen und hormonfreien Tabletten beobachten und die Ergebnisse in zwei aufeinanderfolgenden Pillenzyklen überprüfen.

Das Ergebnis fiel in beiden Zyklen ähnlich aus: Während der Einnahme der hormonhaltigen Tabletten berichteten die Frauen häufiger über emotionales Essen als während der hormonfreien Tage. Dieser Zusammenhang zeigte sich auch dann noch, wenn die Forscher Veränderungen der Stimmung berücksichtigten. Das spricht dafür, dass der Effekt nicht allein dadurch erklärt werden kann, dass sich die Frauen während der aktiven Pillenphase schlechter fühlten.

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