Umfangreiche Sanierung
Fernzüge brauchen auf wichtiger Strecke bald deutlich länger
29.09.2026 – 11:33 UhrLesedauer: 2 Min.
Ab Oktober 2026 sperrt die Deutsche Bahn eine ihrer meistbefahrenen Verbindungen für mehr als ein Jahr. Ein ursprünglich geplanter Ausweg fällt weg – mit spürbaren Folgen.
Die Deutsche Bahn sperrt die Strecke zwischen Berlin und Hannover ab dem 2. Oktober 2026 für den Fernverkehr. Die Vollsperrung dauert voraussichtlich bis Ende 2027. In diesem Zeitraum verlängert sich die Fahrzeit auf dem 221 Kilometer langen Korridor wegen Umleitungen um rund 80 Minuten.
Die Bahn bezeichnet den Abschnitt als „wichtigste Verbindung zwischen Berlin und Nordrhein-Westfalen“. Täglich nutzen ihn mehr als 400 Nah- und Fernverkehrszüge sowie rund 90 Güterzüge. Nach dem Korridor Hamburg-Berlin, der bis Juni grundsaniert wurde, ist es die zweitlängste Achse im Rahmen des Korridorsanierungsprogramms.
Fernverkehr nimmt neue Route
Noch im Juni hatte die Bahn ein Konzept vorgestellt, das die Einschränkungen für Reisende begrenzen sollte: Zwischen Dezember 2026 und Oktober 2027 sollten Züge zumindest in einer Richtung über die parallel verlaufende Lehrter Stammbahn fahren und so kaum Zeit verlieren. Daraus wird nun nichts. Die Elektrifizierung dieser Parallelstrecke verzögert sich und wird voraussichtlich erst Ende 2027 abgeschlossen sein.
Für den Fernverkehr bedeutet das: Ab Oktober fahren Züge zwischen Hannover und Berlin nicht mehr über Wolfsburg, sondern über Braunschweig und Magdeburg. Magdeburg erhält dadurch künftig deutlich mehr Fernverkehrshalte. Die drei bis vier täglichen Zugpaare zwischen Amsterdam und Berlin werden über Hamburg umgeleitet, was rund 70 Minuten zusätzliche Fahrzeit bedeutet. Das Verkehrskonzept ab dem Fahrplanwechsel Mitte Dezember wird derzeit noch überarbeitet. Geplant sind „drei Fernverkehrszüge pro Richtung im Zeitraum von zwei Stunden sowie weitere Einzelverbindungen zwischen Hannover und Berlin“.
„Neuweritige“ Busse sollen fahren
Im Nahverkehr will die Bahn nach eigenen Angaben „ein verlässliches Grundangebot“ aufrechterhalten. Zahlreiche Regionallinien fallen strecken- und phasenweise aus. Wo kein Zug fährt, sollen „neuwertige, barrierefreie Busse“ in der Farbe „Verkehrspurpur“ eingesetzt werden. Das Konzept orientiert sich an der Vorgehensweise während der Sanierung der Strecke Hamburg-Berlin. Details für die Zeit ab Dezember werden noch ausgearbeitet.
Im Zuge der Sanierung erneuert die Bahn 214 Weichen, rund 357 Kilometer Gleise, 100 Kilometer Oberleitungen und 13 Kilometer Lärmschutzwände. Zudem werden 27 Bahnhöfe entlang der Strecke „modernisiert und teilweise barrierefrei ausgebaut“. Kleinere Brücken, Durchlässe und Weichenheizanlagen werden ersetzt; auch Oberleitungsanlagen sowie Leit- und Sicherungstechnik werden instand gesetzt.