Das tat der Bundestrainer mit Pascal Groß, einem Akteur, der offenbar als Ersatzmann einen hohen Wert für das DFB-Team hat. „Pascal ist sehr, sehr selbstlos. Er ist einfach ein toller Mensch und deshalb auch ein richtig guter Kaderspieler“, hatte Nagelsmann erklärt – und damit indirekt unterstrichen, dass dieses Profil wohl nicht ganz auf Stiller zutrifft. Bei Stuttgart gilt dementsprechend das Prinzip „Ganz oder gar nicht“. Stiller ist einer für die Startelf, aber keiner für Auswechselbank – und gerade deshalb trotz seiner fußballerischen Qualität ein Wackelkandidat für die Weltmeisterschaft.
Die Partie gegen die Schweiz könnte das Pendel für Stiller nun in eine entscheidende Richtung ausschlagen lassen. Liefert der beim FC Bayern ausgebildete Mittelfeldmann gegen den Nachbarn eine überzeugende Leistung ab, dürfte er es dem Bundestrainer hinsichtlich der WM-Kaderplätze unweigerlich schwerer machen, auf ihn zu verzichten. Enttäuscht Stiller aber wie bei seinem letzten DFB-Einsatz, der 0:2-Niederlage in der Slowakei im September, dürfte sich sein WM-Traum schon jetzt in Luft auflösen. Nagelsmann hätte dann keine Argumente mehr, weiter auf ihn zu setzen.
Stillers Vorteil vor der für ihn wohl richtungsweisenden Partie: Der Ausfall von Pavlović und Nmecha entschärft die Konkurrenzsituation im deutschen Mittelfeld in diesen Tagen um einiges. Der Stuttgarter kann gegen die Schweiz also ohne den unmittelbaren Druck, sich im direkten Vergleich mit seinen ärgsten Widersachern um die WM-Teilnahme messen zu müssen, frei aufspielen – wenngleich ihm mit Kaderspieler Groß und Rückkehrer Anton Stach zwei weitere Konkurrenten im Nacken sitzen. Kapitän Joshua Kimmich ist bekanntlich als Rechtsverteidiger eingeplant.
Für Stiller wird der Versuch, sich entscheidend in den Fokus zu spielen, dennoch zu einer Herkulesaufgabe. „Es ist ja schon eine besondere Situation, dass unsere zwei wahrscheinlich gerade stabilsten zentralen Mittelfeldspieler ausfallen“, sagte Nagelsmann am Donnerstag in Basel und bekräftige damit zweieinhalb Monate vor WM-Start einmal mehr die aktuell gehobene Stellung von Pavlović und Nmecha. Doch genau an dieser gilt es für Stiller nun zu rütteln – damit der eigene WM-Traum doch noch wahr wird.
