Mit Stephen Colberts „Late Show“ wurde die aktuell erfolgreichste Late-Night-Sendung der USA abgesetzt. Das sagt viel über den Zustand der amerikanischen Demokratie aus.

In einer Sache stach die letzte Folge von Stephen Colberts „Late Show“ sehr heraus. Der Name „Donald Trump“ fiel kein einziges Mal. Der Moderator hatte in den vergangenen elf Jahren genug über ihn geredet.

In dieser letzten Episode ließ der 62-Jährige seine bissigen Kommentare zur Tagespolitik fast gänzlich vermissen. Stattdessen wurde es ein fröhliches Zusammenkommen, das mit einer Musikeinlage von Paul McCartney und Elvis Costello endete.

Dabei waren Colberts Witze über Trump zu seinem Markenzeichen geworden. Letztlich waren sie es wohl, die das Ende seiner Show besiegelt haben. Offiziell heißt es von Colberts Sender CBS, die Show sei aus finanziellen Gründen beendet worden. Doch der wahre Grund dürfte ein anderer sein.

Vom Politsatiriker zum Politikum

Mit Colbert verliert der Sender freiwillig den erfolgreichsten Late-Night-Moderator der USA. Der 62-Jährige hat sich diesen Platz erkämpft, weil er der politischste Entertainer seiner Zunft war. In Donald Trump hatte Colbert sein perfektes Sujet gefunden. Und es besteht kaum Zweifel daran, dass ihn sein Sender genau deswegen vor die Tür gesetzt hat.

Stephen Colbert ist damit vom Politiksatiriker selbst zum Politikum geworden. Egal, ob man ihn mochte oder nicht: Seine Absetzung ist ein schlechtes Zeichen für die Meinungsfreiheit in den USA, gar ein Armutszeugnis für die Demokratie.

Rückblickend war der Moderator zur richtigen Zeit am richtigen Ort: 2015 hatte Colbert die Show von dem legendären David Letterman übernommen. Lettermans Sendung war Anfang der Neunziger die Blaupause für einen gewissen Harald Schmidt gewesen, der ihn zu Beginn bis ins Detail kopiert hatte.

Ed Sullivan Theater in New York: Elf Jahre nahm Stephen Colbert seine Sendung dort auf. (Quelle: Milo Hess/dpa)

Für Colbert schienen die Fußstapfen seines Vorgängers anfangs etwas zu groß: Die ersten Kritiken waren schlecht. Andere Sendungen lagen bei den Quoten im hart umkämpften Late-Night-Markt vor ihm.

Der Wendepunkt kam am 8. November 2016, als Colbert live in seiner Sendung miterlebte, wie Donald Trump überraschend die Präsidentschaftswahl gewann. Nach dem Bürgerkrieg, dem 2. Weltkrieg und dem 11. September könnte dieser Tag der „verheerendste“ in der Geschichte der USA sein, sagte einer von Colberts Gästen.

Colbert rang an dem Abend vielfach um Worte, wurde durch Trump aber langfristig kreativ beflügelt. Kein anderer Late-Night-Moderator griff den Präsidenten danach so konsequent und scharf an wie er. Der Stil passte offensichtlich in die Zeit. Denn die „Late Show“ ließ irgendwann ihre Konkurrenz hinter sich.

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