Einheitsfeier in Bremen

Steinmeier wettert gegen Wähler von „Extremisten“

Aktualisiert am 03.10.2026 – 16:40 UhrLesedauer: 3 Min.

In einer eindringlichen Rede hat Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier für die Demokratie, Mut und Hoffnung geworben. (Quelle: Sina Schuldt)

Am Tag der Deutschen Einheit blickt Bundespräsident Steinmeier sorgenvoll auf die freiheitlich-demokratische Grundordnung in Deutschland. Gleichzeitig ruft er zum „Mut zur Erneuerung“ auf.

36 Jahre nach der Wiedervereinigung sieht Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier die freiheitlich-demokratische Grundordnung in Deutschland ernsthaft gefährdet. „Die unerträgliche politische Demagogie extremistischer Kräfte, die eine Lust an der Zerstörung ausleben und andere Menschen verhöhnen und bedrohen, das gefährdet nicht nur Freiheit und Demokratie – das gefährdet unsere innere Einheit“, sagte Steinmeier am Samstag in seiner Ansprache beim zentralen Festakt zum Tag der Deutschen Einheit in Bremen.

Steinmeier attestierte der Demokratie in Deutschland eine profunde Vertrauenskrise. „Bald vier Jahrzehnte nach der Deutschen Einheit, nach vielfachen, ich glaube historisch beispiellosen Anstrengungen des Aufbauens und Erneuerns, erklären große Teile der Bürgerschaft ihr Misstrauen gegen die politische Ordnung der Bundesrepublik“, sagte er bei der Einheitsfeier. „Ich will nicht sagen, dass sie sich gegen die Demokratie an sich wenden. Aber, um ehrlich zu sein, ich weiß es nicht.“

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Steinmeier-Rede bei der Einheitsfeier: „Jede Stimme zählt“

Der Bundespräsident spielte auch auf die Ergebnisse der jüngsten Landtagswahlen an, die zu einer Stärkung der politischen Ränder führten. „Jede Stimme zählt, jede ist ernst zu nehmen“, sagte er weiter am Tag der Einheit. „Gerade deshalb können wir uns nicht um die Tatsache herumdrücken, dass ein Viertel und mehr mit ihrer Wahlentscheidung bekunden, dass sie sich von wichtigen Grundentscheidungen unserer Republik abwenden.“

Steinmeiers Äußerungen am Tag der Deutschen Einheit ging das starke Abschneiden der in Teilen rechtsextremen AfD bei den drei Landtagswahlen im September voraus. Ausdrücklich beim Namen nannte der Bundespräsident die Partei in seiner Ansprache aber nicht. Er übte aber Kritik an Menschen, die für Extremisten stimmten: „Wähler, die zu den Extremen gehen, pochen laut auf die eigenen Rechte, während sie bereit sind, die Rechte anderer zur Disposition zu stellen.“

Der Bundespräsident rief politische Entscheidungsträger zu „Selbstkritik und Nachdenklichkeit“ auf. „Wir sollten uns durchaus ohne Schonung fragen, was in den letzten dreieinhalb Jahrzehnten die Regierungen im Bund und in den Ländern versäumt haben, dass so viele Menschen sich abwenden und Extremisten so viel Resonanz finden“, sagte er.

Der Gottesdienst mit Frank-Walter Steinmeier, Friedrich Merz und Julia Klöckner. (Quelle: Moritz Frankenberg)

Einheitsfeier in Bremen: „Diffamierung der Bundesrepublik“

Gründe für Selbstkritik gebe es. „Doch die besinnungslose Diffamierung der Bundesrepublik – unseres wiedervereinigten demokratischen Staates – ist eine Propagandalüge des Extremismus“, wetterte Steinmeier bei der Einheitsfeier in Bremen.

Zu den Versäumnissen zählte der Bundespräsident, dass die „tiefen ökonomischen Brüche“ Verlierer hinterlassen hätten. „Es war und bleibt dringend notwendig, niemandem, der strauchelt, den Respekt zu verweigern, sondern politisch einzugreifen, um ein würdiges Leben zu sichern“. Zudem sei die „geringe Repräsentation ostdeutscher Biografien“ in Führungspositionen „kein Ruhmesblatt“.

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