Die Förderbank KfW und die Deutsche Rentenversicherung komplettieren die Gerüchteküche um einen möglichen Träger für das staatliche Standarddepot. Handfestere Antworten auf die Frage, wer es denn nun machen soll, scheinen aber auch die Entscheider selbst noch nicht zu haben. Ein Sprecher des Bundesfinanzministeriums (BMF) sagte t-online: „Das BMF ist innerhalb der Bundesregierung und mit möglichen Trägern im Gespräch, wie ein von einem öffentlichen Träger angebotenes Standardprodukt umgesetzt werden kann.“

Pünktlicher Start zum 1. Januar 2027 fraglich

Angesichts der wenigen Monate, die bis zum Start der neuen Altersvorsorge zum 1. Januar 2027 noch bleiben, täte das Finanzministerium allerdings gut daran, bald eine Entscheidung zu fällen. Denn mit jedem Tag, der vergeht, sinkt die Wahrscheinlichkeit, dass das öffentlich verwaltete Standarddepot rechtzeitig zum Jahreswechsel zur Verfügung steht. Die Umsetzung ist technisch komplex. Selbst viele private Anbieter, die sich seit Monaten auf die neue Produktwelt vorbereiten, kommen nicht so zügig voran, wie gedacht.

„Kein Institut möchte riskieren, beim Start des Altersvorsorgedepots ins Hintertreffen zu geraten oder Kunden an Wettbewerber zu verlieren“, sagt Sven Loeckel, Head of Enterprise Solutions beim Berliner Fintech Upvest, das Banken und Neobroker mit der nötigen Infrastruktur versorgt. „Gleichzeitig beobachten wir, dass viele Anbieter die Komplexität der Umsetzung unterschätzt haben.“ Herausfordernd sei etwa die Anbindung an Behörden wie die Zentrale Zulagenstelle für Altersvermögen, aber auch die steuerlichen Vorgaben machten Arbeit.

„In Deutschland verfügen bislang nur sehr wenige Banken, Broker oder andere Finanzhäuser über Systeme, die die beim neuen Altersvorsorgedepot vorgesehenen getrennten Steuertöpfe technisch sauber abbilden können“, erklärt Loeckel. Wer jetzt noch nicht mit der Umsetzung begonnen hat, so hört man aus dem Gespräch heraus, für den wird es eng. Das gilt auch für institutionelle Schwergewichte wie die Bundesbank oder den Kenfo, die zwar Vermögen verwalten können; doch für ein Altersvorsorgedepot braucht es mehr. Individuelle Kontenführung zum Beispiel.

Der Kenfo stünde bereit

Fragt man bei den möglichen Kandidaten nach, ob sie sich vorstellen können, das staatliche Standarddepot anzubieten, sind die Reaktionen verhalten. Die Bundesbank ließ lediglich wissen, dass sie sich zu laufenden Verfahren nicht äußere. Die Deutsche Rentenversicherung sprach von „vielen ungeklärten Fragen“. Kenfo-Sprecherin Ulrike Pott sagte t-online: „Der Kenfo verfügt über eine langjährige und erfolgreiche Erfahrung in der Kapitalanlage. Diese Kompetenz könnte der Staat bei der Umsetzung des staatlichen Altersvorsorgedepots selbstverständlich nutzen.“ Aber hat das Finanzministerium auch angeklopft? Dazu hält sich Pott bedeckt: „Zunächst müsste noch eine Verordnung dazu geschrieben werden.“ Einzig die KfW teilt frei heraus mit, sie sei bisher nicht gefragt worden.

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