Diese Regionen sind betroffen
Deutschland droht Spritmangel
01.08.2026 – 08:06 UhrLesedauer: 2 Min.
Der Rheinpegel sinkt auf den tiefsten Stand seit 2018. Für die Kraftstoffversorgung in Deutschland hat das gravierende Folgen.
Das Niedrigwasser am Rhein wirkt sich an den Tankstellen aus. Am Pegel Kaub am Mittelrhein stehen nur noch 29 Zentimeter. So niedrig war der Stand zuletzt 2018. Der Wert ist nicht die Tiefe des Flusses, sondern der Stand an der Messlatte. Für die Schifffahrt zählt er trotzdem: Viele Tanker können nur noch einen kleinen Teil ihrer üblichen Ladung aufnehmen.
Kaub ist eine der wichtigsten Engstellen auf dem Rhein. Und große Tanker müssen sie passieren. Wegen des Niedrigwassers kosten Transporte auf dem Rhein so viel wie seit 2009 nicht mehr. Die Folge: In Teilen Deutschlands kann Kraftstoff knapper werden.
Viele Tanker fallen aus
Jürgen Ziegner, Geschäftsführer des Tankstellenverbands ZTG, warnt vor Engpässen. Bei Pegelständen von 32 Zentimetern und weniger könnten etwa 95 Prozent der Tanker nicht mehr fahren, sagt er. Die Wasserstraßen- und Schifffahrtsverwaltung erwartet bereits einen weiteren Rückgang.
Wegen des Niedrigwassers laden Frachtschiffe oft nur noch zehn Prozent ihrer üblichen Ladung oder weniger. „Viele Routen sind bereits jetzt ab einer bestimmten Fracht nicht mehr möglich“, sagt Ziegner. Die Strecke Rotterdam – Karlsruhe kostete am Mittwoch nach seinen Angaben 145 bis 150 Euro je Tonne. Üblich seien 20 bis 25 Euro.
Die Fracht wird teurer
Die höheren Frachtraten können den Spritpreis erhöhen. Steigt die Frachtrate um zehn Euro je Tonne, verteuert sich Kraftstoff an der Zapfsäule nach Ziegners Rechnung um 0,8 Prozent. Sinkt der Pegel weiter, könnten Schiffe den Rhein nicht mehr durchgängig befahren. „Der Rhein ist dann zweigeteilt“, sagt Ziegner. Befahrbar wären dann nur noch die Abschnitte Basel – Bingen und Koblenz – Rotterdam.
Lkw können die Schiffe nur begrenzt ersetzen. „Wir haben einen Mangel an Lkw-Fahrern, und noch weniger haben die erforderlichen Zusatzqualifikationen“, sagt Ziegner. Der Transport über die Straße kostet mehr. Zudem fehlen die Lkw dann bei der Versorgung der Tankstellen.

Den Raffinerien droht Stillstand
Das Niedrigwasser trifft auch die Raffinerien am Rhein. Nach Angaben von Johannes Guhlke von der Preisberichtsagentur Argus Media haben die hohen Frachtkosten Rohstoffe und Kraftstoffbestandteile auf den Routen nach Frankfurt und Karlsruhe bereits deutlich verteuert. An vielen Tanklagern in Westdeutschland sei Benzin knapp, schreibt Guhlke.
Besonders anfällig sind Regionen, die über den Rhein versorgt werden. Andere Teile Deutschlands hängen weniger an dieser Route; sie bekommen Kraftstoff über andere Raffinerien, Pipelines, Häfen oder per Bahn und Lkw.










