Nun wechselt ausgerechnet sein eigener Sohn, der zudem in Russland als öffentliche Marke aufgebaut wurde, die Sportflagge. Der Skandal ließ nicht lange auf sich warten. Pljuschtschenko wird jetzt als „Verräter an Putin“ gebrandmarkt. Der Vorwurf des „Vaterlandsverrats“ steht im Raum.

„Der größte Patriot Russlands“

Vor allem sein zur Schau getragener Patriotismus wird ihm jetzt vorgehalten. Abertausende sarkastische Kommentare fluten die sozialen Netzwerke – alle im selben Tenor: „So sind sie eben, die Patrioten.“ „Der größte Patriot Russlands.“ „Genau so stelle ich mir Patriotismus vor, wenn er laut hinausgeschrien wird.“ „Der patriotische Jewgeni Pljuschtschenko kann so etwas doch unmöglich machen.“

Der 13-jährige Alexander Pljuschtschenko bei einem Auftritt im März 2026: Große Erfolge hat er nicht vorzuweisen. (Quelle: Peter Kovalev/imago)

Andere fragen ironisch: „Und was ist mit Russland?“ Auch der Vorwurf der Heuchelei wird tausendfach laut: „Ich verstehe natürlich alles, aber ausgerechnet von dieser Familie wirkt das irgendwie heuchlerisch“, heißt es etwa in einem beispielhaften Kommentar.

Andere fordern wiederum Maßnahmen gegen die „Überläufer“ und „Verräter“ und sprechen sich dafür aus, sie nicht mehr nach Russland zu lassen.

„Pljuschtschenko hat einen großen Fehler gemacht“

Inzwischen hat sich der Duma-Abgeordnete Witali Milonow, der von Skandalen lebt, in die Debatte eingeschaltet: „Pljuschtschenko hat einen großen Fehler gemacht“, erklärte er. Da sein Sohn noch minderjährig sei, trage der Vater die Verantwortung.

„Ich weiß nicht, warum er das getan hat. Die ganze Zeit hat er sich so würdevoll verhalten. Und nun endet alles auf so unschöne Weise“, urteilte der Abgeordnete der Regierungspartei Einiges Russland. „Offenbar sind ihm irgendwelche beruflichen Dinge wichtiger als das Vaterland. Gott sei Dank haben wir viele andere Sportler, die nicht so handeln“, fügte Milonow hinzu.

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Plötzlich lassen Kreml-Getreue Pragmatismus walten

Angesichts der Fülle an wütenden, negativen Kommentaren hat Pljuschtschenko seine sozialen Netzwerke inzwischen deaktiviert. Doch die jahrelange Nähe zur Elite zahlt sich aus. Viele Personen des öffentlichen Lebens lassen jetzt anstatt des propagierten Patriotismus lieber Pragmatismus walten und nehmen den legendären Eiskunstläufer in Schutz. Es sei eine private Entscheidung, hieß es etwa von Tatjana Tarassowa, einer Instanz im russischen Eiskunstlauf. Die Eltern des Jungen würden glauben, „dass er dort eher zu Juniorenmeisterschaften fahren kann. Dort gibt es keine Konkurrenz“, erklärte sie die Entscheidung.

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