Wer ist von der Blockade am stärksten betroffen?
Durch das Nadelöhr am Persischen Golf werden jeweils rund ein Fünftel des Erdöls und des Flüssigerdgases (LNG) für den Weltmarkt exportiert – vor allem aber Richtung Asien. Zunächst trifft es asiatische Länder wie China, Indien, Japan oder Südkorea.
Ein wichtiges Ausfuhrland ist derweil Katar, der Staatskonzern Qatar Energy hat am Montag jedoch einen Produktionsstopp aufgrund der iranischen Angriffe verhängt.
Europa ist vergleichsweise wenig auf LNG-Exporte aus Katar angewiesen. Der Markt für Flüssigerdgas ist gleichwohl global. Europa konkurriert mit Asien um Flüssiggas. Somit werden auch die EU und Deutschland indirekt von Preiserhöhungen betroffen sein.
Es gibt Berichte, dass iranisches Öl und Gas für China durchgelassen wird. Wäre das ein strategisches Signal?
Durchaus. Aber selbst dann werden andere asiatische Staaten geschwächt.
Die deutsche Wirtschaft nicht?
Deutschland und die EU sind – wie bereits angedeutet – eher indirekt betroffen. Dazu muss ich etwas ausholen.
Unsere Abhängigkeit vom Öl ist deutlich geringer als früher. Wir benötigen deutlich weniger Öl als in den 1970er-Jahren. Die Ölintensität der Produktion ist gesunken, und die Europäer haben eigene Förderquellen erschlossen, etwa in der Nordsee. Vor allem die USA sind heute ein wichtiger Lieferant von Öl und Flüssiggas. Sie selbst sind auf Energielieferungen nicht angewiesen. Zudem ist fraglich, ob die Sperrung strategisch klug für den Iran ist. Wenn die Straße länger gesperrt wird, schadet das vor allem den eigenen Abnehmerländern wie China oder Indien – weniger direkt der EU. Europa ist zwar abhängig bei Energieimporten, wobei der Anteil der Importe vom Persischen Golf immer weniger ausmacht. Die EU versucht außerdem seit dem Ausbruch des Ukraine-Kriegs, ihre Energiequellen zu diversifizieren. Die „Ölwaffe“ wäre insgesamt viel schwächer als in den 1970er-Jahren.
