„Abstruse Begründungen“

SPD kritisiert größten Wohnungskonzern


27.03.2026 – 12:44 UhrLesedauer: 2 Min.

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Carmen Wegge (l.) mit Parteichef Lars Klingbeil: Die SPD-Politikerin fordert gemeinsam mit zwei Parteikollegen Vonovia dazu auf, soziale Verantwortung zu übernehmen. (Quelle: imago)

Die Sozialdemokraten werfen Vonovia überzogene Erhöhungen vor. Sie fordern, der Konzern müsse mehr Verantwortung für seine Mieter übernehmen.

Die SPD-Fraktion im Bundestag kritisiert das Wohnungsunternehmen Vonovia wegen Mietpreissteigerungen und appelliert an dessen soziale Verantwortung. „Während die Mehrheit der Deutschen mit steigenden Lebenshaltungskosten kämpft, steigert Deutschlands größter Wohnungskonzern die Mieten um 4,6 Prozent auf durchschnittlich 8,38 Euro pro Quadratmeter“, schreiben die Abgeordneten Carmen Wegge, Hakan Demir und Hendrik Bollmann in einer Mitteilung, die t-online vorliegt.

Dabei lebten viele Familien bereits am Rande ihrer finanziellen Belastbarkeit und müssten – unter anderem wegen der außenpolitischen Krisen – weitere „erhebliche Steigerungen der Lebenshaltungskosten“ befürchten. Sowohl Wegge als auch Demir sind Mitglieder im Fraktionsvorstand, Bollmann ist wohnungspolitischer Sprecher der Fraktion.

Die Mitteilung der drei Abgeordneten ist eine Reaktion auf die Geschäftszahlen von Vonovia und Recherchen des „Spiegel“. Der größte deutsche Wohnungskonzern hatte 2025 seinen Gewinn vor allem dank höherer Mieteinnahmen gesteigert. Der Deutsche Mieterbund kritisierte daraufhin „radikale Mietsteigerungen“. Der „Spiegel“ berichtete außerdem von „erfindungsreichen“ Wegen, mit denen Vonovia die Mieten trotz Mietpreisbremse erhöht und die teils wieder von Gerichten einkassiert worden waren. So sei beispielsweise in einem Fall in Berlin mit einer guten ÖPNV-Bindung argumentiert worden, in einem Fall in Stuttgart mit einer Rasenfläche.

Vonovia hatte dem „Spiegel“ daraufhin mitgeteilt, dass eine überwältigende Mehrheit der Mieterhöhungen Bestand hätten: „Nur weil ein Amtsgericht einen oder mehrere Fälle im Sinne der anderen Seite entscheidet, macht das unser Vorgehen nicht insgesamt falsch“.

Die Zahlen hinterließen Fragezeichen, kritisieren die SPD-Abgeordneten. „Mieterhöhungen mit abstrusen Begründungen wie Rasenflächen oder ÖPNV-Anbindungen zu rechtfertigen, konterkarieren den eigenen Slogan ‚Wir geben Menschen ein Zuhause‘.“ Sie fordern, dass nun auch der Gesetzgeber innovativer werden müsse: „Folglich ist die Anpassung des Mietrechts die notwendige Antwort.“ Sie verweisen etwa auf vom Justizministerium geplante Verschärfungen des Mietrechts (mehr dazu lesen Sie hier).

Die Abgeordneten verwiesen auf die Bedeutung Vonovias. Der Konzern sei „ein wichtiger Partner auf dem Wohnungsmarkt“, besonders mit seinen Innovationen in den Bereichen des kostengünstigen und seriellen Bauens sowie klimagerechter Sanierung. Auch müsse unternehmerisches Handeln natürlich eine Rendite erzeugen. Aber: „Rendite muss mit der Wahrnehmung sozialer Verantwortung einhergehen.“

Sie schrieben weiter, dass der Bund 23,5 Milliarden Euro bis 2029 für den sozialen Wohnungsbau ausgeben wolle: „Steuergeld, das auch Vonovia nutzen wird“. Sie appellierten vor diesem Hintergrund „an Vonovia und andere Wohnungsunternehmen, ihre Verantwortung für das Gemeinwohl und Gewinnerzielungsabsichten in Balance zu halten“.

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