Offiziell eröffnet Bas im Werk von Rolls-Royce eine „Fachkräftewerkstatt“: So nennt das Arbeitsministerium eine Dialogreihe für Brandenburger Unternehmer, bei der sie sich über Lösungen gegen den Fachkräftemangel austauschen und Unterstützung bekommen sollen. Weitere solcher Treffen sollen bundesweit folgen. Aus den Gesprächen will das Arbeitsministerium dann „Handlungsempfehlungen ableiten“.
Zuhören, vor Ort ins Gespräch kommen: Andere Politiker hätten das Thema womöglich aufgeblasen, ihren „politischen Stempel“ aufgedrückt, es größer inszeniert, als es ist. Nicht so Bärbel Bas. Sie sagt, ohne erkennbare Ambition: „Am liebsten wäre mir natürlich, wir könnten das schaffen in allen 16 Bundesländern. Das wird nicht funktionieren.“ Ihr Ministerium aber wolle zumindest anregen, dass dieses Beispiel durch die Lande ziehe. Na dann.
Was genau der Besuch von Bärbel Bas bei Rolly Royce nun zum Zweck hat und was genau daraus folgt, bleibt bis zuletzt vage. Entsprechend wenig Berichterstattung gibt es hinterher, obwohl viele Medien vor Ort sind.
Politiker spulen in einer Woche teils 50 Termine ab, nicht alle bekommen die gleiche Aufmerksamkeit. Doch dieser hier könnte sinnbildlich dafür stehen, welche Chancen Bärbel Bas liegen lässt: als Ministerin, aber eben auch als SPD-Chefin. Die deutsche Wirtschaft steckt in der Krise, Industriejobs stehen auf der Kippe, viele Menschen bangen um ihre Zukunft. Bas hätte den Besuch nutzen können, um ein Aufbruchsignal zu senden, Reformeifer zu verbreiten, Zuversicht zu spenden. Sie lässt es bleiben.
Dabei kann sie sich das eigentlich kaum leisten: Ihre Partei hat gerade erst eine desaströse Wahlniederlage in Baden-Württemberg einstecken müssen, die einmal mehr offenlegte, wie tief die SPD in ihrer traditionellen Wählerschaft abgestürzt ist. In einer Woche steht die Wahl in Rheinland-Pfalz an, wo Alexander Schweitzer für die Sozialdemokraten das Ministerpräsidentenamt verteidigen will. Geht die Wahl für die SPD verloren, droht der Partei eine innere Revolte, die vieles ins Wanken bringen könnte. Auch Bas wäre davor nicht sicher.









