Selbstbewusster Auftritt
Die Grünen suchen die große Bühne
Aktualisiert am 08.10.2026 – 15:01 UhrLesedauer: 6 Min.

Mit einer gehörigen Portion Selbstbewusstsein stellen die Grünen ihren „Plan für Deutschland“ vor. Dahinter steckt ein klares Ziel: zurück an die Macht.
Es ist die große Berliner Bühne, für die sich die Grünen entschieden haben. Die Chefs Franziska Brantner und Felix Banaszak stellen ihre Leitanträge für den Parteitag im Dezember nicht etwa in der Parteizentrale vor. Nein, sie sitzen am Donnerstag vor der bekannten blauen Wand der Bundespressekonferenz. „Unser Plan für Deutschland“ lautet der wenig bescheidene Titel der Veranstaltung. Man habe den Anspruch, „ernsthafte, glaubwürdige und verantwortungsvolle“ Kraft in Deutschland zu sein, formuliert es Brantner staatstragend.
Der Auftritt des Duos in Berlin ist ein Signal. Die Oppositionspartei, sie will mehr. Sie will wieder regieren. Und Banaszak und Brantner machen deutlich: Wir sind bereit. Doch ist die Zeit wirklich schon reif?
Es ist ein selbstbewusster Auftritt, den das Duo vor der Berliner Hauptstadtpresse abliefert. Er dunkler Anzug, sie blaue Bluse: ernsthaft, seriös also. Beide haben vor gut einer Woche angekündigt, im Dezember wieder als Vorsitzende kandidieren zu wollen. Der Schritt war erwartet worden. Brantner und Banaszak haben vorsorglich die Landtagswahlen abgewartet, bevor sie ihre Entscheidung öffentlich gemacht haben.
Trotz des schlechten Ergebnisses bei der Abgeordnetenhauswahl in Berlin blickt das Duo auf ein erfolgreiches Jahr zurück: Mit Cem Özdemir regiert in Baden-Württemberg weiter ein Grüner, in München sitzt mit Dominik Krause ebenfalls ein Grüner als Oberbürgermeister im Rathaus. Und in Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern ist den Grünen der Einzug in die Parlamente wider Erwarten teils mehr als deutlich gelungen. Brantner und Banaszak – sie sitzen aktuell fest im Sattel.
Doch mit ihrem Auftritt in der Bundespressekonferenz wird klar: Die Grünen schielen auf das Kanzleramt und präsentieren sich als „linke Mitte“. Nach mageren 11,6 Prozent bei der Bundestagswahl 2025 kommt die Partei derzeit auf bis zu 17 Prozent in Umfragen. Das reicht eher nicht, um Kanzlerin oder Kanzler zu stellen. Aber die Grünen setzen darauf, dass da noch mehr geht. Darauf, dass sie die schwächelnde Union überholen können, auch wenn sie das nicht offen formulieren, maximal andeuten. Gelingen soll das mit offensiver Inszenierung und einem frischen Anstrich.
Mehr Wachstum und weniger Politikverdrossenheit
In ihrem Antrag „Zum Besseren. Neues Wachstum für unser Land“ konzentrieren sich Brantner und Banaszak auf Wirtschaftspolitik. Sie skizzieren, wie sie das wirtschaftliche und soziale Aufstiegsversprechen erneuern wollen. Wachstum soll so gestaltet werden, dass es ökologisch tragfähig ist und den Menschen zugutekommt. Dafür setzen sie auf Innovation, klimafreundliche Industrie, weniger Bürokratie, einen modernen Staat sowie mehr europäische Souveränität und Schutz vor unfairer Konkurrenz etwa aus China. Es ist das erfolgreiche Rezept Özdemirs, das hier zum Tragen kommt: Pragmatisch, vernünftig, kompromissbereit – nicht ideologisch verbohrt.