Das Ermittlerteam selbst funktioniert solide. Die dienstälteste „Tatort“-Kommissarin Lena Odenthal bleibt in ihrem insgesamt 83. Fall gewohnt souverän – und dürfte sich dennoch bei dem einen oder anderen Fan unsympathisch machen. Sie vertritt klar die Lobby der Autofahrenden: „Die Kuriere fahren wie die letzten Henker, auf Bürgersteigen, mitten auf der Straße. Kein Wunder, dass da mal einer auf der Strecke bleibt.“ Ihr wird entgegnet: „Die Radwege sind eine Zumutung, immer zugeparkt, zu eng, löchrig, und die Straße daneben ist frisch asphaltiert. Wo würdest du da fahren?“ Odenthal antwortet: „Autofahren ist schon auch ein Stück Freiheit.“

Johanna Stern vertraut auf ihren Instinkt, bekommt durch ihre verdeckten Ermittlungen mehr Raum – und nutzt diesen auch. Sie ist Kollegin und Gegenpol zu Odenthal in einem. Mara Hermann (Davina Fox) und Nico Langkamp (Johannes Scheidweiler) fügen sich stimmig ein. Generell als Pluspunkt hervorzuheben ist der diverse Cast des „Tatorts: Sashimi Spezial“.

Insgesamt hat der „Tatort“ in der Umsetzung seine Schwächen. Aber er wird zum Nachdenken anregen. Das Thema ist relevant. Die Frage, wem der öffentliche Raum gehört, betrifft Millionen Menschen. Sie berührt Alltagsrealitäten, politische Entscheidungen und persönliche Empfindlichkeiten.

Ob sich das Einschalten lohnt? Wer gesellschaftspolitische Krimis schätzt und bereit ist, über dramaturgische Schwächen hinwegzusehen, könnte zufrieden sein. Aber Relevanz allein macht eben noch keinen packenden Krimi. Wer hingegen auf dichte Spannung und präzise erzählte Ermittlungsarbeit frei von Stereotypen hofft, dürfte ungeduldig auf die Uhr schauen.

Wie gefiel Ihnen dieser „Tatort“? Schreiben Sie eine E-Mail an Lesermeinung@stroeer.de. Bitte nutzen Sie den Betreff „Tatort“ und begründen Sie.

Share.
Exit mobile version