Die hervorragende Setlist des ersten Abends zeigt, wie vielfältig, detailreich und verfrickelt die Musik von Radiohead ist. Mit dem Song „15 Steps“ bringt die Band einen unkonventionellen Rhythmus und treibenden Groove auf die Bühne. Mit „Lucky“ schaffen sie ein atmosphärisch-apokalyptisches Klangbild. Und bei „No Surprises“ liegen sich die Fans bereits das erste Mal in den Armen.
Die darauffolgende Songreihe aus dem ruhigen „Videotape“, dem Sehnsucht weckenden „Weird Fishes/Arpeggi“, „Idioteque“ mit seinen kalten, elektronischen Beats und das überraschend treibende „Everything In Its Right Place“ runden das Set in der Mitte ab. Hinten raus wird es teilweise wuchtig, als der druckvolle Bass von „The National Anthem“ durch die Halle schallt oder als am Ende des Sets durch die Gitarrenriffs bei „Bodysnatchers“ fast das Dach der Arena hochfliegt.
Die Band zeigt sich an diesem Abend gut gelaunt. Sie kommunizieren zwar kaum mit dem Publikum. Doch sie versuchen, durch die mittige Bühne die gesamten Fans mitzunehmen. Die Musiker tauschen während des Sets ihre Plätze, um niemanden in der Halle zu benachteiligen. Die Monitore zeigten das, was sich auf der Plattform abspielt, in einem Großformat. Sodass auch der Oberrang – trotz der grellen und psychedelischen Filter – genau mitbekommt, was auf der Bühne passiert.
Yorke spielt während der Show Gitarre, sitzt am Klavier oder tanzt wie im Rausch zu den Songs auf der Plattform. Fans merken, dass die Stimme des Frontmanns in den vergangenen sieben Jahren ohne Radiohead-Show gealtert ist. Doch das stört nicht – im Gegenteil. Ein Störfaktor ist hingegen insbesondere zu Beginn des Sets der leicht matschige Sound, durch den Yorkes Stimme untergeht. Das können Fans bei der hohen Hitdichte aber sicherlich verzeihen.
Bei der Zugabe gibt es keine Zeit zum Durchatmen: „Fake Plastic Trees“ lässt die Fans zunächst träumen. Der Song baut sich langsam zu einem emotionalen Soundteppich auf und katapultiert Musikliebhaber schließlich in den Orbit. Die Euphorie dieses Moments wandelt sich in der Folge unter anderem bei „Jigsaw Falling Into Place“, „Just“ und „Paranoid Android“ in sich bewegende Massen um. Den fulminanten Abschluss bietet die Ballade „Karma Police“. Vermutlich haben in der Uber Arena selten so viele Menschen gemeinsam gesungen: „For a minute there, I lost myself“.
Radiohead zeigt an diesem Abend, wie die große Arena-Show einer Rockband aussehen muss. Einer Band, die mit Blick auf die gesamte musikalische Bandbreite nicht als allzu massentauglich gilt. Sie bieten am Montag in Berlin mitreißende Energie, eine tolle und für das breite Publikum dankbare Songauswahl, ein immersives Bühnenkonzept und eine auffällige Spielfreude. Fans, die einen der restlichen Abende der Radiohead-Gigs in Berlin besuchen, können gespannt sein.










