Stress kann zerstörerische Langzeiteffekte für unsere Gesundheit haben: Er trägt dazu bei, dass wir übergewichtig werden, was wiederum zu erhöhtem Blutdruck und zu Typ-2-Diabetes führen kann, zu Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Schlaganfällen oder Alzheimer-Demenz. Man geht davon aus, dass sich die Zahl der an Demenz Erkrankten allein in den USA in den nächsten dreißig Jahren auf 15 Millionen verdreifachen wird.
Eine bioidentische Hormonersatztherapie ab der Perimenopause/Menopause kann bei Frauen das Demenzrisiko vermutlich senken, weil das Nervensystem vor schädlichen Ablagerungen geschützt wird und die Gefäßgesundheit insgesamt profitiert. Zudem kann sie robuster machen gegen Stressgefühle in den Wechseljahren und danach. Die Hormone Pregnenolon und DHEA werden ebenfalls als Helfer für ein robustes Gehirn diskutiert. Man kann sie im Blut bestimmen und gegebenenfalls einnehmen.
Forscher konnten außerdem nachweisen, dass die Telomere – die „Schutzkappen“ an unseren Chromosomen – bei Menschen mit großem Arbeitsstress kürzer sind als bei anderen. Auch die Parkinson-Erkrankung, Typ-2-Diabetes, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Krebs haben mit einer Verkürzung der Telomere zu tun und somit mit dem Altern. Schon der Gedanke an Stresssituationen lässt uns im wahrsten Sinne des Wortes graue Haare wachsen. Wer etwa Angst vor einer Pandemie ganz allgemein oder auch nur vor einem Vortrag in der Öffentlichkeit hat, altert schneller.
Vorübergehend sind bei Stress sogar Seh- und Hörverluste möglich. Stress wirkt sich vor allem auf die Genregulation und epigenetische Muster aus, also darauf, wann Gene aktiv werden und wann nicht. Aus der Forschung weiß man, dass schwere Traumata als genetische Informationen über epigenetische Veränderungen an die Nachkommen weitergegeben werden können.
Weniger dramatisch, aber für jedermann sichtbar: Stress kann zu Ausbrüchen von Herpes an der Lippe führen, gemeinerweise geschieht das auch umgekehrt, beim Abfall von Stress. Deshalb zieren uns diese Bläschen sehr gerne genau dann, wenn der Urlaub beginnt.
Auch Erkältungskrankheiten und Migräne hängen zuweilen mit diesem Wechsel von Stressphasen und Entspannung zusammen.
Das Cortisol aus der Nebenniere aktiviert diverse Stoffwechselprozesse in unserem Körper, damit energiereiche Verbindungen für die akute Stressphase zur Verfügung gestellt werden. Dauert diese Stressphase allerdings an, kann Cortisol Diabetes begünstigen, vor allem deshalb, weil es einen Effekt auf unseren Kohlenhydrathaushalt hat. Es fördert die Zuckerproduktion in der Leber und stört damit die Wirkung von Insulin. Außerdem beeinflusst es den Fettstoffwechsel und den Eiweißumsatz. Muskulatur wird abgebaut.
Zwar wird durch Cortisol auch der Fettspeicher reduziert, wenn das Fett dann jedoch nicht verbraucht wird, findet es sich ganz flott wieder am Bauch ein. Chronisch erhöhte Stresshormone begünstigen Appetit, Insulinresistenz und die Einlagerung von viszeralem Bauchfett, also Fett, das tief in der Bauchhöhle innere Organe wie Leber, Darm und Bauchspeicheldrüse umgibt. Cortisol stimuliert die Bauchspeicheldrüse, wo vermehrt Insulin freigesetzt wird. Die vermehrte Insulinausschüttung entsteht dabei vor allem als Reaktion auf den erhöhten Blutzucker. Typische Stressauslöser sind die tägliche gesellschaftliche Belastung und Überforderung, der Lärm der Großstädte oder die ständige Online-Verfügbarkeit. Wir schauen nicht mehr in die beruhigende Natur, sondern lieber aufs Display unseres Mobiltelefons.










