Es fällt dabei auf, dass im deutschen Kader „ein richtiger Stoßstürmer“, wie es so heißt, fehlt. Aber welche Optionen hatte der Bundestrainer denn? Gladbachs Tim Kleindienst war verletzungsbedingt fast die ganze Saison ausgefallen, und Niclas Füllkrug hatte bei nur einem Tor aus 28 Pflichtspielen für West Ham United und die AC Mailand einfach keine sportlichen Argumente. Nagelsmann hatte keine Wahl – und hätte eine Berufung von Kleindienst oder Füllkrug auch nicht rechtfertigen können. Eine Auswahl wie in früheren Zeiten, als beispielsweise in den späten 80ern und frühen 90ern mit Rudi Völler, Jürgen Klinsmann und Karlheinz Riedle gleich drei Weltklasse-Stoßstürmer dabei waren, haben wir eben nicht mehr.
Was macht Nagelsmann dann?
Im Tor steht dazu nun endlich eine Personalie fest, über die in den letzten Wochen fast pausenlos spekuliert und berichtet wurde: Manuel Neuer kehrt zur WM in die deutsche Elf zurück, nachdem er 2024 eigentlich schon zurückgetreten war. Er wird Nagelsmanns Nummer eins, Oliver Baumann, der lange Zeit als Stammtorwart für das Turnier galt, ist zur Nummer zwei degradiert worden.
Es ehrt Baumann, wenn er die Nachricht so gefasst aufgenommen hat, wie von Nagelsmann auf der Pressekonferenz zur Kaderbekanntgabe am Donnerstag berichtet. Trotzdem werde ich ihn während der WM genau beobachten: Seine Körpersprache, sein Auftreten, sein Verhalten – denn natürlich ist das ein ganz schwerer Schlag, den er da hinnehmen musste. Nagelsmann hat ihm voraussichtlich seinen Traum von WM-Einsätzen genommen, und das ist nicht leicht zu verarbeiten. Ich sage es ganz offen: Ich hätte es auch sehr gut verstehen können, wäre Baumann nun aus der deutschen Nationalmannschaft zurückgetreten.
Dieses Neuer-Comeback birgt indes ein großes Risiko, sowohl für den Bundestrainer als auch für die deutsche Nationalmannschaft. Denn die Fitness und Gesundheit des mittlerweile 40-jährigen Neuer ist stets ein Thema. Erst im letzten Saisonspiel des FC Bayern gegen den 1. FC Köln ließ er sich nach einer Stunde auswechseln, wegen Beschwerden an der Wade. Nicht ohne Grund stand er nur in 37 von 54 Saisonspielen auf dem Platz. Noch sieht es so aus, als sei sein Einsatz im DFB-Pokalfinale nicht gefährdet – aber was, wenn dort erneut eine Blessur auftritt? Oder in der WM-Vorbereitung mit der DFB-Elf, vielleicht in einem der Testspiele gegen Finnland oder die USA? Schon ein Muskelfaserriss könnte das WM-Aus bedeuten.











