Die rund 100 Teilnehmenden sind gerührt, haben Tränen in den Augen. Auch Bürgermeister Krause ringt nach seiner Rede um Fassung. Er putzt sich die Nase, schluckt schwer und versucht, die aufsteigenden Tränen wegzublinzeln. Um ihn herum herrscht weiterhin Stille. Nur die Sirene eines Krankenwagens in der Ferne ist zu hören.

Über den Köpfen der Anwesenden hängen Trauerbekundungen an einer Schnur. Auf einer der Karten wird der Philosoph Albert Schweitzer zitiert: „Das einzig Wichtige im Leben sind die Spuren der Liebe, die wir hinterlassen, wenn wir gehen.“

Nach der Rede des Bürgermeisters und der Verdi-Vertreter kann jeder, der möchte, der Opfer gedenken. Dazu verteilen Helfer vor Ort weiße Nelken. Wer selbst Blumen mitgebracht hat, kann diese ebenfalls unter zwei großen Kränzen ablegen. Die Teilnehmer sind weiterhin still, sprechen möchte niemand über das, was vor einem Jahr hier vorgefallen ist und nur wenige Meter weiter vor Gericht verhandelt wird. Viele umarmen sich und teilen ihre Trauer, bevor sie die Seidlstraße gegen 13 Uhr wieder verlassen.

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