Das Altwerden sah Adorf realistisch. Er wollte weder jammern noch übertrieben euphorisch sein. „Ich jubele nicht und sage: ‚Ah, Gott sei Dank, ich lebe noch.‘ Ich gehöre nicht zu diesen Seniorenjublern. Das finde ich meistens lächerlich, aufgesetzt und falsch. Ich stehe auf, ohne ein wirklicher Muffel zu sein“, beschrieb er 2019 im „Spiegel“-Interview seine Einstellung.
An seinem 95. Geburtstag staunte Adorf schließlich über sein erreichtes Alter. Er „hätte nicht damit gerechnet, so alt zu werden.“ Der Schauspieler fühlte sich zu diesem Zeitpunkt aber ganz mit sich im Reinen: „Ich habe nicht das Gefühl, dass es noch viel aufzuarbeiten gäbe.“
Sterbehilfe lehnte Adorf stets ab. „Also, ich würde mich nicht wegmogeln, wenn es nicht schön wird. (…) Ich würde das Sterben schon so akzeptieren, wie es mir widerfährt“, sagte er den Zeitungen der Funke-Mediengruppe. Seinen Tod wollte er „gerne bewusst miterleben“. „Das hat vielleicht schon wieder mit dem Beruf zu tun, der ewige Zwang des Schauspielers, sich beobachten zu müssen“, erklärte er weiter.
Dass er mit seinem Schaffen und den über 200 Film- und TV-Auftritten der Nachwelt erhalten bleiben wird, bewegte ihn zu Lebzeiten keineswegs. „Mir ist das Nachleben und der Nachruhm gleichgültig. Wenn ich weg bin, bin ich weg. Meine Mutter hat genauso gedacht. Meine Mutter sagte: ‚Ich will weg sein. Ich will ins Meer gestreut werden.‘ Das hat mir auch gefallen, das habe ich auch getan, ich habe ihre Asche ins Meer gestreut“, sagte Adorf 2014 im Interview mit „Planet Interview“.
Seine eigene Beisetzung war ihm 2019 noch „egal“. „In meiner Heimatstadt bin ich Ehrenbürger, die würden mir sicher ein schönes Grab herrichten. In Saint-Tropez ist ein sehr schöner Friedhof am Meer, aber der ist so besetzt, dass man da gar keinen Platz findet. Zuletzt wurde mir angedeutet, dass München genau das Richtige für mich wäre – der Bogenhausener Friedhof, wo viele meiner Kollegen liegen“, sagte er damals.
Jetzt, nach seinem Tod, steht fest: Er will seine letzte Ruhe in Saint-Tropez finden. „Selbst im Tod ist Mario Adorf noch bescheiden. Kein Ehrenbürgerbegräbnis in seinem Heimatort Mayen, keine prunkvolle Grabstätte auf einem Münchener Prominentenfriedhof, sondern ein bescheidenes Plätzchen in seiner Wahlheimat Saint-Tropez. Das war Mario Adorfs letzter Wunsch“, sagte sein Manager Michael Stark der „Bild“-Zeitung. Ihm teilte der Schauspieler außerdem noch eine letzte Botschaft an seine Fans mit: Mario Adorf bedankt sich bei seinem Publikum für die jahrzehntelange Treue.










