Nicht zu nah ans Herz halten
Worauf Herzpatienten bei Smartwatches achten sollten
Aktualisiert am 16.04.2026 – 16:47 UhrLesedauer: 3 Min.

Smartwatches können eine Reihe von Gesundheitsdaten messen und damit helfen, Probleme früher zu erkennen. Doch genau diese Geräte können unter bestimmten Umständen selbst zum Risiko werden.
Smartwatches gehören für viele Menschen längst zum Alltag. Handelsübliche Geräte messen den Puls, erstellen ein EKG und können sogar vor Herzproblemen wie Vorhofflimmern warnen. Doch genau diese Geräte können unter bestimmten Umständen selbst zum Risiko werden.
Forscher des Universitätsklinikums Münster haben herausgefunden, dass diese Geräte implantierte Herzsysteme wie Schrittmacher und Defibrillatoren beeinflussen können. Die Ergebnisse der experimentellen Studie stellten die Mediziner kürzlich bei der Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie (DGK) vor. Veröffentlicht wurde die Studie im „Journal of the American Heart Association“.
Effekt auf Herzschrittmacher und Defibrillatoren untersucht
Im Fokus der Forschung standen sogenannte kardiale implantierbare elektronische Geräte (CIED). Dazu zählen Herzschrittmacher, die den Herzschlag regulieren, und implantierbare Defibrillatoren (ICD), die lebensgefährliche Herzrhythmusstörungen mit kleinen Stromstößen beenden. Beide Systeme können durch Magnetfelder in der direkten Umgebung in ihrem Betrieb gestört werden, was Patienten potenziell gefährden kann.
Die Forscher untersuchten 15 Implantate in einem experimentellen Modell an Schweinen und testeten acht verschiedene Smartwatches (drei von Apple, drei von Samsung, jeweils eine von Huawei und Withings). Sie wollten wissen, ob die Uhren durch ihr Magnetfeld den sogenannten Magnetmodus der Implantate auslösen können. Dieser Modus führt dazu, dass ein Schrittmacher das Herz dann mit fester Frequenz stimuliert, unabhängig vom Eigenrhythmus, während ein Defibrillator seine Schockfunktion vorübergehend abschaltet. Dieser Modus dient eigentlich dazu, die Herzimplantate bei medizinischen Untersuchungen zu programmieren und zu kontrollieren.
Magnetfeld kann Implantat-Funktionen verändern
Das Ergebnis: Legten die Forscher die Display-Seite der Smartwatch auf die Implantationsstelle, trat der Effekt kaum auf – nur in weniger als einem Prozent der Messungen. Drehten sie die Uhr jedoch um und platzierten die Rückseite direkt auf dem Implantat, aktivierte sich der Magnetmodus in 36 von 120 Fällen, also in knapp 30 Prozent.
Auch beim Laden der Geräte zeigte sich ein Risiko: In 28 von 120 Messungen (23 Prozent) reagierten die Implantate auf das Magnetfeld. Deutlich seltener trat der Effekt auf, wenn das Implantat tiefer im Gewebe unter dem Muskel lag – hier lag die Quote bei nur etwa einem Prozent. Ein getestetes Modell mit physischem Ladeanschluss (statt einem magnetischen Anschluss) löste den Magnetmodus gar nicht aus. Die Forscher führen das auf ein schwächeres Magnetfeld zurück.
Im Alltag meist kein Grund zur Sorge
Trotz dieser Ergebnisse geben die Experten teilweise eine Entwarnung: Wer seine Smartwatch ganz normal am Handgelenk trägt, hat nur ein sehr geringes Risiko. Allerdings sollten Ärzte Patienten darüber informieren, ihre Smartwatch nicht in der Nähe ihres Herzimplantats zu tragen.
Auch weitere Experten, die selbst nicht an der Studie beteiligt waren, weisen in einem Kommentar darauf hin, dass die routinemäßige Nutzung einer Smartwatch am Handgelenk sicher sei. Sie weisen jedoch darauf hin, EKG-fähige Smartwatches nicht direkt über dem Implantat zu platzieren, insbesondere während der EKG-Aufzeichnung und des Ladens. Das sei ein wichtiger Hinweis, da Smartwatches zunehmend in die Arrhythmieerkennung und das patienteninitiierte Monitoring integriert werden, schreiben die Experten.