„Der Ort stellt sich als Klimaopfer dar“
Skigebiet pleite – deutscher Hüttenwirt tobt
Aktualisiert am 05.04.2026 – 04:02 UhrLesedauer: 2 Min.
Ein Skigebiet in Österreich ist zahlungsunfähig. Ein deutscher Hüttenwirt sagt: Die Gründe seien komplizierter, als die Verantwortlichen glauben machen würden.
Ein beliebtes Familienskigebiet in Österreich hat Insolvenz angemeldet, die Karkogel-Bergbahnen in Abtenau bei Salzburg sind zahlungsunfähig. Jetzt meldet sich ein deutscher Hüttenwirt zu Wort und schildert seine eigene Sicht der Dinge. „Der Ort stellt sich als Klimaopfer dar, wir haben das anders erlebt“, sagte Norbert Heiliger dem „Merkur“.
Der Wirt bezeichnet sich selbst als „Hütten-Hüpfer“. Er schließt Verträge mit Almen ab, die nicht oder schlecht bewirtschaftet werden. „Wir betreiben Ihre Almhütte saisonal“, bewirbt er seine Dienste auf seiner Homepage.
Im vergangenen Sommer habe er mit seinem Team die Karkogel-Hütte übernommen, sagte er dem „Merkur“. Aber es sei nur ein kurzes Intermezzo gewesen: „Im Oktober haben wir gemerkt, dass da etwas stinkt und haben unsere Sachen gepackt.“
Über eine drohende Insolvenz sei er nie informiert worden. Aber es sei klar gewesen, dass vieles vor Ort nicht stimmte. Der Klimawandel sei nicht das einzige Problem gewesen. Wirt Heiliger kreidet unter anderem „persönliche Vorteilsnahme einzelner“ an. Es herrsche zum Beispiel „viel Vetternwirtschaft“. Selbst an stark frequentierten Liften würden nicht die besten Mitarbeiter eingestellt, sondern Bekannte.
Grundsätzlich habe er Abtenau zudem als eine Gemeinde wahrgenommen, die sich Innovation verschließe. Es habe im Ort Widerstände gegen ein wichtiges Hotelprojekt gegeben – Heiliger vermutet, weil die Betreiber aus Asien stammen: „Der Tenor in Abtenau war: Wenn schon ein Hotel, dann aber bitte nicht von einem Chinesen“, sagte der Wirt dem „Merkur“. „Man möchte unter sich bleiben, das ist hier die Stimmung.“
Die Karkogel-Bergbahnen in Abtenau hatten Ende Februar erklärt, mit 4,3 Millionen Euro überfordert zu sein. Als Grund für die Krise führte das Unternehmen den niederschlagsarmen Winter an. Wegen des wenigen Schnees habe die Saison erst am 9. Januar starten können.
Außerdem habe es Verzögerungen und unerwartete Kostensteigerungen bei der Errichtung eines betriebsnotwendigen Speicherteiches gegeben, der Wasser für Schneekanonen zum Ausgleich von fehlendem Naturschnee hätte liefern sollen. Darauf weist nun auch Wirt Heiliger hin: „Wäre der See rechtzeitig fertig gewesen, hätte man beschneien können“, sagte er dem „Merkur“.









