Und doch stellt sich so mancher Zuschauer schon die Frage, wie lang der Sender sein Zugpferd noch halten kann, wenn andere ARD-Anstalten zeigen, dass sie mit dem „Traumschiff“-Kapitän ebenfalls Quotenerfolge einfahren können – oder sogar die MDR-Werte übertrumpfen. Als t-online am Montag über die Sparzwänge des MDR berichtete, sammelten sich schnell Zuschriften von Lesern, in denen es etwa hieß: „Der MDR hat eine dringende Frischzellenkur nötig. Bitter nötig ist das Absetzen von Silbereisen und Konsorten.“
Andere verorteten in ihren Mails den Grund für die finanzielle Schieflage woanders: „Es sollte nicht an den Formaten gespart werden, sondern zuerst an den horrend hohen Gehältern und Boni der Intendanten und Führungsposten.“ Allein Ralf Ludwig, der seit November 2023 den MDR leitet, kassiert 280.750 Euro Jahresgehalt. Eine Zahl, die üppig erscheinen mag, aber in Relation zu den anderen Häusern der ARD das alte Ost-West-Ungleichgewicht veranschaulicht: Die Topverdiener kommen ausnahmslos aus den alten Bundesländern – vom SWR über den NDR bis zum WDR und BR verdienen alle Senderbosse weit mehr als Ralf Ludwig.
Ein Problem, das mehr als 35 Jahre nach der Wiedervereinigung nicht nur bei den Öffentlich-Rechtlichen vorherrscht. Und doch: Im Fernsehgeschäft zeigt sich die ungleiche Verteilung der Gelder nicht nur auf den Gehaltszetteln des Spitzenpersonals, sondern auch in den Rücklagen, die die Anstalten gebildet haben. In den älteren ARD-Häusern ist deutlich mehr Spielraum vorhanden als bei den erst nach der Wiedervereinigung gegründeten Häusern MDR und RBB.
Dass der Sparkurs bei ARD, ZDF und seinen angeschlossenen Anstalten Schwierigkeiten bereitet, ist also nur die halbe Wahrheit. Die Tatsache, dass es besonders die Sender aus dem Osten sind, die unter den Auflagen ächzen, wird dabei oft verschwiegen. Und dass der MDR bereits Teile seines Tafelsilbers abtreten musste, ebenfalls.
Denn aktuell verantwortet der Sender nur noch vier Liveshows und damit eine weniger als im Zeitraum vor 2025. „Schlagerbooom“, „Schlagerchampions“ und Co. blieben dem MDR zwar erhalten – aber unter Schmerzen. „Für die Kosten für die zweijährige Laufzeit der insgesamt acht Shows bis Ende 2026 übernehmen die Partner innerhalb der ARD mehr finanzielle Verantwortung. Das entlastet den MDR“, hieß es bereits 2024 vom MDR-Rundfunkrat.
