Aufsteiger vor Titelgewinn
Die größte Sensation des Jahres
03.04.2026 – 14:20 UhrLesedauer: 5 Min.

In der Schweiz bahnt sich die größte Fußballsensation des Jahres an. Ein Aufsteiger steht kurz davor, die Meisterschaft mit großem Vorsprung zu gewinnen.
Der Fußball bringt sie immer seltener, aber doch immer wieder hervor: Die unerwarteten Meister, die jeglichen Gesetzen des modernen Spiels widersprechen. Die den Mythos überwinden, nur die reichsten Teams, jene mit der größten Ansammlung an Stars, könnten einen Titel ergattern. Der 1. FC Kaiserslautern, der 1998 als Aufsteiger die deutsche Meisterschaft gewann. Griechenland, das 2004 den EM-Titel errang. Leicester City, das sich 2016 gegen die „Big Six“, Englands größte Klubs, durchsetzte und zum Meister kürte. Eintracht Frankfurt, das 2018 zwei Jahre nach dem Beinahe-Abstieg den DFB-Pokal gewann.
Diese Reihe an Goliaths bezwingenden Davids wird zeitnah Zuwachs erhalten – und er kommt aus einer der unwahrscheinlichsten Ecken der Fußballwelt. Aus einer beschaulichen Stadt im Schweizer Aaretal. Zwischen Bern und Interlaken, wo der Fußball selten die große Bühne sucht. Wo vor einem Jahr noch zweitklassig gespielt wurde. Der dort ansässige FC Thun schickt sich an, direkt nach dem Aufstieg die nationale Meisterschaft zu gewinnen.
Nach 31 Spieltagen hat der Aufsteiger bereits 71 Punkte auf dem Konto und damit 15 mehr als der erste Verfolger St. Gallen. Sieben Runden vor dem Saisonende ist dem FC Thun die sensationelle Meisterschaft kaum noch zu nehmen. Timm Klose, einstiger Schweizer Nationalspieler und Bundesliga-Profi, sagt im Gespräch mit t-online stellvertretend für eine ganze Nation: „Das ist durch. Das wissen wir alle, selbst den Spielern in Thun ist das klar.“
Es wird die erste Meisterschaft der Vereinsgeschichte. Und das unter solch besonderen Umständen. „Es ist eine tolle Story, es ist ein Märchen“, so Klose, der heute als Ausbildungsleiter beim FC Basel sowie als TV-Experte für Blue arbeitet.
Damit schreibt der FC Thun dieser Tage eine gänzlich andere Art von Werk, als es der Klub seinen Fans in der knapp 128-jährigen Vereinsgeschichte sonst vorgelegt hat. Mit zwei Zweitligameisterschaften führt der FC Thun in seiner eigenen Chronik genauso viele Titel wie Sexskandale. 2007 standen mehrere Profis unter Verdacht, sexuelle Handlungen mit einer Minderjährigen ausgeübt zu haben. In vier Fällen folgte eine Geldstrafe. 2016 wurden drei Ex-Spieler wegen des Vorwurfs der Vergewaltigung angeklagt, am Ende jedoch freigesprochen. Über Jahre war das Wirken des FCT wahrlich keine Erfolgsgeschichte.
Der Vergleich mit dem HSV ist sichtbar.
Timm Klose über den FC Thun










