Hanfmann bot an diesem Nachmittag eine famose Vorstellung in der Rod-Laver-Arena. Er rief sein ganzes Repertoire ab, zeigte präzise Aufschläge, peitschende Vorhände, gefühlvolle Lobs und klug getimte Netzangriffe. Es war eine äußerst reife, fast komplette Leistung, die der 34-jährige Karlsruher gegen den Topfavoriten auf die Turnierkrone bot. Wären da nicht die „unforced errors“, die vermeidbaren Fehler, gewesen. In den entscheidenden Momenten dieses über weite Strecken ausgeglichenen Spiels fehlten ihm oft nur Millimeter zum Punktgewinn.

Der erste Satz dieses Matches war sicher einer der besten, die dieses Turnier bislang gesehen hat. Doch in den entscheidenden Situationen stellte Alcaraz unter Beweis, warum er derzeit das Maß aller Dinge im Herren-Tennis ist. Er traf die Bälle einfach mit einer begnadeten Souveränität, die wahre Champions auszeichnet. Eben wie Rafael Nadal zu seinen besten Zeiten.

Dennoch zollte er seinem Kontrahenten hinterher das verdiente Lob. Er sprach über frühere Begegnungen der beiden auf der Challenger-Tour und darüber, wie wenig die Weltranglistenplatzierung bisweilen über die wahre Spielstärke eines Athleten aussagt. „Yannick hat einen Stil, mit dem ich nicht so wirklich gut klarkomme“, sagte Alcaraz.

Hanfmann war vor diesen Australian Open 101. der Weltrangliste. Alcaraz führt die Liste an. An diesem Nachmittag auf dem Centre Court war von diesem Klassenunterschied über weite Strecken nicht viel zu sehen. Die Zuschauer quittierten das Match, das am frühen Nachmittag (Ortszeit) begonnen hatte, denn auch zu Recht mit frenetischem Applaus. Für Hanfmann dürfte die Erkenntnis bleiben, dass er es mit dieser Leistung beim nächsten Grand-Slam-Turnier weiter schaffen kann als in die zweite Runde. Vorausgesetzt, er trifft dann nicht wieder auf Carlos Nadal.

Share.
Exit mobile version