Secondhand kaufen – Flohmarkt, Shop, App: Wo lohnt es sich – und wo nicht! | Leben & Wissen

Pandemie, Inflation, Krieg. Die Geldbeutel sind leer, die Lebenshaltungskosten explodieren. Immer mehr Verbraucher entdecken einen Ausweg: Produkte aus zweiter Hand.

Einkaufen wird täglich teurer. Die Inflation ist mit 7,4 Prozent so hoch wie seit 40 Jahren nicht mehr, und wegen Lieferengpässen steigen zusätzlich die Preise bestimmter Produkte, bis sie nicht mehr verfügbar sind.

Der drohende Wertverlust des Geldes macht vielen Menschen Angst: Nach einer Umfrage des Instituts für Handelsforschung (IFH) befürchten mehr als die Hälfte der Verbraucher, ihren Lebensstandard bald nicht mehr halten zu können. Rund zwei Drittel der Befragten gaben an, deswegen ihre Ausgaben verringern zu wollen.

„Textilien oder Elektronik secondhand einzukaufen ist da ein vergleichsweise schmerzloser Weg, das Geld zusammenzuhalten“, sagt Kai Hudetz, Geschäftsführer des IFH.

Ob Flohmarkt, Secondhand-Shop oder App: Lieferengpässe und täglich neue Preise gibt es beim Shoppen von Gebrauchtem nicht. Stattdessen verbergen sich andere Falltüren, die man aber umgehen kann – im Gegensatz zur Inflation.

Apps und Online-Portale

Secondhand-Kleidung lässt sich genauso gut online shoppen wie Neuware. Die Liste der Flohmarkt-Apps und Ankaufs- bzw. Verkaufsportale wird immer länger.

  • Momox Fashion: Der Secondhand-Riese ist gleichermaßen Ankäufer und Warenhaus für getragene Kleidung, Schuhe und Accessoires.
  • Rebelle hat sich auf den Verkauf von getragener Designer-Ware spezialisiert.
  • Sellply: Ein Angebot der H&M-Gruppe, zu der unter anderem auch die Ketten Monki, Cos, Weekday und Arket gehören.
  • Shpock: Die Flohmarkt-App ist ein Konkurrent von eBay-Kleinanzeigen.
  • Bei Vestiaire Collective gibt es ebenfalls Secondhand-Kleidung von Designern und Luxusmarken, verkauft von Privatpersonen aus aller Welt.
  • Vinted ist mit insgesamt 8,5 Millionen Nutzern der größte Anbieter von Secondhand-Ware in Deutschland.
  • Zircle ist das Secondhand-Angebot von Zalando.

Es wird zwischen zwei Geschäftsmodellen unterschieden: Bei beispielsweise Vinted und Shpock erwerben Privatpersonen von Privatpersonen. Über An- und Verkaufsportale wie Momox Fashion oder Sellply hingegen findet der Deal zwischen Unternehmen und Verbraucher statt.

Wer bei etwa Sellply Bekleidung verkaufen möchte, bestellt kostenlos eine Versandtasche, schickt darin seine Ware ein. Sellpy übernimmt das Fotografieren, Beschreiben und Einstellen der Anzeige im Shop – und kassiert eine Provision. Bis einem Warenwert von 50 Euro erhält der Verkäufer 40 Prozent der Erlöse, bei allem darüber hinaus 90 Prozent.

▶︎ Vorteile:

  • Shopping zu jeder Tages- und Nachtzeit – das Internet hat immer geöffnet.
  • Suchmasken und Filter erleichtern das Stöbern.
  • Auf seriösen Verkaufsportalen kann man sich sicher sein, dass die Kleidung sauber, intakt und echt ist. Plagiate werden hier aussortiert.
  • Auch beim Deal zwischen zwei Privatpersonen ist die Echtheit garantiert: Die meisten Anbieter sperren User, die Fälschungen verkaufen und dementsprechend negativ bewertet werden. Solange man bei einem vom Portal verifizierten Verkäufer shoppt, kann wenig schiefgehen.

▶︎ Nachteile:

  • Kleidung kann nicht anprobiert werden. Auch Rückgaben sind in der Regel nicht möglich. Fehlkäufe müssen entweder wieder verkauft werden – oder in den Tiefen des Kleiderschranks verschwinden.
  • Die Unternehmen hinter den Flohmarkt-Apps verdienen selbstverständlich auch mit. Darunter leiden Käufer und Verkäufer gleichermaßen. Der Käufer zahlt mehr, als er es auf einem Flohmarkt tun würde, während der Verkäufer einen Teil des Gewinns abtreten muss.

► Fallen:

  • Keine Neuware erwarten! Der Artikelzustand wird auf vielen Plattformen oder von Verkäufern mit Bezeichnungen wie „neuwertig“ oder „sehr gut“ beschrieben. Trotzdem darf mit keinem Kleidungsstück gerechnet, das so auch in einem Shop hängen könnte.
  • Käufer sollten immer auf Gütesiegel wie „Trusted Shops“ und die Bewertungen des jeweiligen Verkäufers achten.

Secondhand-Läden

Die Vorstellung von streng müffelnden Secondhand-Läden ist längst überholt. Das Bedürfnis der Menschen, nachhaltiger zu leben, wächst weiter. Fast Fashion, also das Hinterherjagen von aktuellen Trends in Form von billig und unfair produzierter Neuware, wird unbeliebter.

Vor diesem Hintergrund öffnen immer mehr Secondhand-Shops in deutschen Klein- und Großstädten. Designer-Ware, Vintage-Kleidung, Getragenes von der Stange – hier gibt es alles!

▶︎ Vorteile:

  • Der Käufer kann die Kleidung vor einem Kauf anfassen und anprobieren. Ein haptisches Shopping-Erlebnis ist nicht zu unterschätzen: Laut wissenschaftlicher Erkenntnisse werden mehr Glückshormone ausgeschüttet als bei einem Online-Kauf.
  • Retoure in einigen Läden möglich.
  • Beratung durch einen Verkäufer.
  • Man hat ausreichend Zeit, sich den Kauf in Ruhe zu überlegen, ohne Angst haben zu müssen, dass ein anderer Interessent schneller sein könnte.

▶︎ Nachteile:

  • Im Gegensatz zum Internet ist man an Öffnungszeiten gebunden.
  • Wer alte Kleidung im Secondhand-Shop loswerden will, geht in den meisten Fällen einen Kommissionsvertrag ein: Geld gibt es erst, wenn die Ware tatsächlich verkauft wurde.

▶︎ Fallen:

  • Im Secondhand-Shop hängen auch Vintage-Schätze, die deutlich teurer sind als Neuware. Deswegen nie den Preisschild-Check vergessen, um sicherzugehen, dass man wirklich ein Schnäppchen schlägt.

Flohmärkte

Flanieren, fachsimpeln, finden und feilschen – DAS ist Flohmarkt. Abgesehen von der Option, günstig aus zweiter Hand zu kaufen, bietet sich Trödeln auch als Sonntagsausflug für die ganze Familie an.

▶︎ Vorteile:

  • Den Käufer erwarten richtig günstige Preise: T-Shirts für 50 Cent, die Jeans kostet 1 Euro, und das Kofferset gibt’s für einen Fünfer – auf Flohmärkten ist alles möglich.
  • Einen großen Vorteil gegenüber Apps und Shops stellt der Handlungsspielraum dar. Ungeschriebene Basar-Regel: günstiger geht immer!
  • Nur auf einem Flohmarkt kann man Schätze entdecken und unwiderstehlich günstig erwerben, deren tatsächlichen Wert der Verkäufer nicht kennt.

► Nachteile:

  • Wer auf der Jagd nach etwas Speziellem ist, begibt sich auf die Suche nach der Nadel im Heuhaufen. Flohmarkt-Fans eint die Geduld.
  • Bezahlung ist nur mit Bargeld möglich.

► Fallen:

  • Markenfälschungen sind nur schwer zu enttarnen.
  • Wenn die Ware dreckig ist oder Löcher hat, muss man damit leben.
  • Bei der sozialen Interaktion von Käufer und Verkäufer kann viel schiefgehen. Wer shoppen will, muss freundlich sein!
  • In Trödellaune kauft man mehr, als man wirklich braucht.
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