Katastrophe am Güterbahnhof

Als in Hannover ein Munitionszug explodierte


Aktualisiert am 21.06.2026 – 18:35 UhrLesedauer: 2 Min.

Zwölf Menschen, Bedienstete der Bundesbahn und Feuerwehrleute, kamen bei der Explosion 1969 ums Leben, 40 Menschen wurden verletzt.

Zahlreiche Menschen kamen bei dem Feuer ums Leben (Archivbild): In Wunstorf hat die Feuerwehr am Dienstag offenbar eine vergleichbare Katastrophe verhindert. (Quelle: Wolfgang Weihs/dpa)

Ein brennender Waggon auf dem Güterbahnhof Hannover-Linden kostete 1969 mehreren Menschen das Leben. Es war das schwerste Zugunglück der Stadt seit Kriegsende.

Am 22. Juni 1969, um 8.05 Uhr, erschütterte eine gewaltige Explosion den Güterbahnhof Hannover-Linden. Ein mit Munition für die Bundeswehr beladener Waggon war in Brand geraten und explodierte – gerade in dem Moment, als Einsatzkräfte am Ort des Geschehens eintrafen. 16 Panzergranaten verwandelten den Güterbahnhof in ein Inferno.

Bis heute gilt es als schwerstes Zugunglück in Hannover seit Kriegsende. Bei dem Unfall kamen acht Feuerwehrleute und vier Mitarbeiter der Deutschen Bundesbahn ums Leben, und vierzig weitere Personen im Umfeld der Bahnstrecke wurden verletzt.

Auch in den Stadtteilen Linden und Ricklingen waren die Spuren der Detonation weithin sichtbar: Autos in der Nähe der Unglücksstelle wurden durch die Wucht zerstört, zahlreiche Fensterscheiben sprangen.

Löscharbeiten an der Unglücksstelle (Archivbild): 1969 explodierte auf dem Güterbahnhof in Hannover-Linden ein brennender, mit Munition beladener Güterwaggon. (Quelle: dpa)

Die verheerenden Folgen wurden auch auf die mangelnde Information zurückgeführt. Die Feuerwehr erhielt damals nur die Meldung „Güterwaggon in Flammen“, als sie zum Brand auf dem Güterbahnhof Linden ausrückte. Niemand wies die Männer darauf hin, dass extrem gefährliches, explosives Material im Spiel war.

Aus den Fehlern von damals wurden Lehren gezogen: Die Regeln für den Transport gefährlicher Stoffe auf Schienen wurden seither verschärft. Gefährliche Güter müssen nun deutlich ausgewiesen sein, um Einsatzkräfte im Brandfall sofort über das Risiko zu informieren. Dennoch darf Munition weiterhin per Zug befördert werden.

Sprengstoffexperten des Bundeskriminalamtes am 23. Juni 1969 bei der Spurensicherung. (Quelle: dpa)

Heldentat mit tragischem Ende

Eine noch größere Katastrophe wurde durch die geistesgegenwärtige Reaktion eines Mannes verhindert. Schon vor Ankunft des Güterzugs hatten Streckenposten einen Funkenflug und Rauch an einem der Wagen gemeldet.

Der 26-jährige Rangierarbeiter Dieter Liedtke soll noch einen Warnzettel mit dem Hinweis auf explosive Stoffe an dem qualmenden Waggon entdeckt haben. Geistesgegenwärtig koppelte er diesen vom Rest des Zuges ab und rief dem Lokführer zu, den Zug in Bewegung zu setzen. Mit einem Feuerlöscher rannte er danach zurück und versuchte, das Schlimmste zu verhindern – jedoch zu spät. Auch Liedtke kam bei der Explosion ums Leben.

Abordnungen aller deutscher Feuerwehren erweisen am Rand des Trauerzuges am 26.06.1969 ihren toten Kameraden die letzte Ehre. (Quelle: Wulf Pfeiffer/dpa)
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