Bayern-Patron Uli Hoeneß polterte, dass Woltemade „keine 90 Millionen“ wert sei. Der 1,98-Meter-Mann sei ja „nicht von Fußball-Fachleuten geholt worden, sondern von irgendeinem Öl-Konzern in Saudi-Arabien“. Sein langjähriger Kompagnon Karl-Heinz Rummenigge stimmte mit ein: „Ich kann denen in Stuttgart nur gratulieren, dass sie einen – ich sage jetzt mal in Anführungszeichen – Idioten gefunden haben, der so viel Geld bezahlt hat, weil das hätten wir in München gesichert nicht gemacht.“

Aber nach vier Toren in seinen ersten fünf Ligapartien auf der Insel wurde Woltemade direkt als „Big Nick“ gefeiert, schlug voll ein. Es schien, als würde er die skeptischen Bayern-Granden Lügen strafen. Inzwischen dürften die sich jedoch ein Stück weit bestätigt sehen. Erst wurden die Tore weniger, dann die Einsatzzeiten und später fand sich Woltemade unter Ex-Trainer Eddie Howe auf einer anderen, defensiveren Position wieder. Wenn er denn mal spielen durfte.

Fehlschuss: Woltemade scheitert im WM-Sechzehntelfinale an Paraguays Torwart Orlando Gill. (Quelle: IMAGO/Marc Schueler/imago)

Das änderte sich auch zu Beginn der neuen Saison unter dem neuen Trainer, seinem Landsmann Matthias Jaissle, nicht. Nur 19 Minuten durfte Woltemade in den ersten beiden Ligaspielen der neuen Saison ran, legte in der kurzen Zeit sogar einen Treffer per Kopf auf. Doch auch das führte nicht mehr dazu, dass sich Woltemade berechtigte Hoffnungen auf mehr Einsatzzeiten machen durfte. Der Ausweg hieß daher Turin.

Bei Juve ist ein alter Bekannter im Sturm gesetzt

Beim italienischen Rekordmeister will er wieder regelmäßig spielen. Aber: Als Stoßstürmer ist dort der Ex-Frankfurter Randal Kolo Muani gesetzt. Für den flexibel einsetzbaren Woltemade käme eine Position hinter dem Franzosen infrage. Dort spielte zuletzt Jonathan David, den Juve am Dienstag an Atlético Madrid verlieh. Möglich, dass Woltemade im 4-2-3-1-System von Trainer Luciano Spalletti für genau diese Rolle vorgesehen ist.

Das Ziel, das der Torjäger mit seinem einjährigen Italien-Abstecher verfolgt, ist klar. Er will nicht nur für seinen Klub, sondern auch wieder für die Nationalmannschaft unter Bundestrainer Jürgen Klopp ein Faktor werden. Die DFB-Elf und Woltemade – auch so ein unstetes Karrierekapitel.

Stand Woltemade in der WM-Qualifikation noch in allen sechs Partien in der Startelf und hatte mit vier Treffern großen Anteil, dass die DFB-Elf zur Endrunde in die USA fliegen durfte, war er in Übersee plötzlich komplett außen vor. Keine einzige Spielminute bekam er in der Gruppenphase.

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