Geometrisch angelegt
Dieses Jagdschloss ist europaweit einmalig
Aktualisiert am 30.03.2026 – 02:47 UhrLesedauer: 2 Min.
Reich an Burgen und Schlössern ist der Norden nicht unbedingt. Doch es gibt Ausnahmen, die besonders ins Auge fallen. So wie diese Anlage im Emsland.
Wer von Bremen aus einen Tagesausflug plant, rechnet mit Windmühlen, Backstein oder Nordsee. Mit einem barocken Jagdstern mitten im Wald eher nicht. Genau das erwartet Besucher jedoch etwa knapp zwei Autostunden südwestlich der Hansestadt im Emsland: Schloss Clemenswerth bei Sögel ist keine klassische Residenz mit Türmen und Zugbrücke, sondern ein architektonisches Konzept – streng geometrisch, überraschend modern wirkend und in Europa nahezu einmalig.
Zwischen 1737 und 1747 ließ Kurfürst Clemens August von Bayern die Anlage errichten. Entworfen wurde sie von Johann Conrad Schlaun, einem der prägenden Barockarchitekten Nordwestdeutschlands. Das Prinzip ist ebenso schlicht wie spektakulär: In der Mitte steht ein vergleichsweise kompakter, achteckiger Zentralpavillon. Von dort führen acht schnurgerade Alleen wie Speichen eines Rades in den umliegenden Wald.
An ihren Enden liegen weitere Pavillons. Die gesamte Anlage diente der Parforce-Jagd, einer höfischen Jagdform, bei der Reiter und Hunde das Wild über lange Strecken verfolgten. Architektur, Landschaft und Funktion greifen hier ineinander – ein barockes Gesamtkunstwerk auf rund 40 Hektar Park- und Waldfläche.
Wer das Gelände betritt, versteht schnell, warum Clemenswerth oft als einzigartige Sternanlage beschrieben wird. Die Symmetrie ist mit bloßem Auge erfassbar, besonders eindrucksvoll wirkt sie aus erhöhter Perspektive oder auf historischen Plänen.
Im Inneren des Hauptpavillons zeigen sich Seidentapeten, Möbel und Kunstwerke des 18. Jahrhunderts. Das heutige Emslandmuseum beleuchtet neben der höfischen Wohnkultur auch die Jagdgeschichte und die Zeit des Kurfürsten. Angeschlossen ist zudem ein Kapuzinerkloster – eine Verbindung von Repräsentation und Rückzug, wie sie für barocke Anlagen typisch war.
Ein Besuch lässt sich gut mit weiteren Stationen im Naturpark Hümmling verbinden. Die leicht hügelige Geestlandschaft eignet sich für Radtouren; entlang der sogenannten Straße der Megalithkultur liegen mehrere vorgeschichtliche Großsteingräber.










