„Wir müssen endlich ins Gespräch kommen“

Norddeutschland will sich abkoppeln


16.06.2026 – 12:28 UhrLesedauer: 4 Min.

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Zahlreiche Windkraftanlagen drehen sich bei Heide in Schleswig-Holstein: Die norddeutschen Länder wollen sich von der einheitlichen Strompreiszone trennen. (Quelle: IMAGO/Daniel Reinhardt/imago)

In Norddeutschland regt sich Widerstand gegen Pläne der Bundesregierung, die bisherige Strompreiszone zu behalten. Schleswig-Holstein würde sich lieber mit Dänemark zusammentun.

Schon seit Längerem ist den nord- und ostdeutschen Bundesländern das deutsche Stromsystem ein Dorn im Auge. Denn während in diesen Regionen vor allem die Windenergie massiv ausgebaut wurde und damit den dort ansässigen Bürgern und Unternehmen hohe Investitionen abverlangt wurden, haben andere Bundesländer eher gezögert. Bayern zum Beispiel hat lange bei der Windkraft gebremst – dort ist allerdings die Solarkraft besonders stark vertreten.

Das wäre nicht weiter tragisch, wenn die Bürgerinnen und Bürger im Norden und Osten etwas von dem Ausbau der Erneuerbaren in ihrem Geldbeutel spüren würden. Das verhindert allerdings das deutsche Stromsystem. In Deutschland gilt eine einheitliche Stromgebotszone, die dazu führt, dass alle Stromerzeuger ihren Strom zu einem einheitlichen Preis verkaufen können – völlig unabhängig davon, ob der Windanlagenbetreiber seinen Strom günstiger erzeugen kann als der Gaskraftwerksbetreiber.

Der Preis wird anhand von Angebot und Nachfrage bestimmt: Wenn gerade viel Strom produziert werden kann (weil der Wind weht oder die Sonne scheint), dann sinkt der Preis. Wenn aber hauptsächlich Kohlekraftwerke den Strom liefern, dann ist das teurer. Das gilt dann für alle, ob man nun in Hamburg, Berlin oder München wohnt.

Norddeutschland könnte sich mit Dänemark zusammentun

Die einheitliche Stromgebotszone verhindert aber, dass die Bundesländer, die besonders viel in erneuerbare Energien investiert haben, auch günstigeren Strom anbieten können. Deshalb empfiehlt die EU auch eine Aufteilung der deutschen Stromzone in mehrere verschiedene: im Norden eine, im Osten eine und auch im Süden und Westen jeweils eine. Einen entsprechenden Bericht hatte das Europäische Netzwerk der Übertragungsnetzbetreiber für Elektrizität (ENTSO-E) vor rund einem Jahr vorgelegt.

Die Bundesregierung ist allerdings strikt dagegen – und hat die einheitliche Stromgebotszone im Koalitionsvertrag verankert. Erst zu Jahresbeginn hatten sich Union und SPD erneut darauf verständigt, am bestehenden System festzuhalten. Sie begründet das mit der Sorge vor noch höheren Strompreisen für die Unternehmen im industriestarken Westen und Süden. Vor allem in Bayern sieht man die Strompreiszonentrennung kritisch.

Jetzt bekommen die norddeutschen Bundesländer allerdings neuen Rückenwind für ihre Forderung. Die Industrie- und Handelskammer Schleswig-Holstein (IHK SH) hat in der vergangenen Woche eine Studie vorgelegt, die eine Abtrennung Schleswig-Holsteins und Hamburgs von der deutschen Stromzone vorschlägt. Stattdessen sollten die beiden Regionen gemeinsam mit Dänemark West eine neue Strompreiszone bilden, die sogenannte Nordic Twin Sea Zone (NTSZ).

Wasserstoff könnte in Deutschland hergestellt werden

Vorteile wären unter anderem sinkende Strompreise für Bürger und Unternehmen in dieser Zone. Zudem dürfte der Anteil der erneuerbaren Energien dort bei über 90 Prozent liegen – der unter anderem zur Herstellung von grünem Wasserstoff in Europa genutzt werden könnte. „Für Deutschland wird die heimische, inländische Wasserstoffproduktion zu wettbewerbsfähigen Preisen von 3-5 €/kg Wasserstoff (90-150 €/MWh) als Mittelwert eines 20-Jahres-Kontraktes möglich“, so die IHK SH.

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