Am Eschenheimer Tor

Notunterkunft vor dem Aus: Scharfe Kritik aus der Stadtpolitik


26.06.2026 – 20:10 UhrLesedauer: 2 Min.

Jährlich errichtet die Stadt Frankfurt eine Notschlafstätte für Obdachlose in der B-Ebene der U-Bahn-Station Eschenheimer Tor (Archivbild): Sie steht jetzt vor dem Aus. (Quelle: Salome Roessler, Stadt Frankfurt)

Die Frankfurter Verkehrsgesellschaft schließt eine große Notunterkunft für Obdachlose. Scharfe Kritik gibt es von führenden Frankfurter Politikern.

Die Notunterkunft für Obdachlose in der U-Bahn-Station Eschenheimer Tor steht vor dem Aus. Das teilte das Sozialdezernat am Freitag mit. Demnach will die Verkehrsgesellschaft Frankfurt am Main (VGF) den Mietvertrag über das Eschenheimer Tor zum September kündigen und das Objekt sofort räumen lassen. Die VGF teilte mit, die Kündigung angesichts der Hitzewelle noch nicht ausgesprochen zu haben, dies in den kommenden Tagen aber tun zu wollen.

Grund dafür sei mangelnder Brandschutz in der B-Ebene der U-Bahn-Station. Laut VGF könne schon eine kleine Verrauchung eine Gefahr für Leib und Leben der Menschen darstellen. Eine schnelle Flucht sei den schlafenden Menschen nicht möglich.

Scharfe Kritik von Dezernenten

Nach Angaben des Sozialdezernats ist es die größte Notunterkunft für obdachlose Menschen in der ganzen Stadt. Sozialdezernentin Elke Voitl (Grüne) sagte laut der Mitteilung: „Wir arbeiten jetzt mit Hochdruck daran, kurzfristig andere Unterbringungsmöglichkeiten zu organisieren. Außerdem suchen wir natürlich nach einer Alternative zum Eschenheimer Tor.“ Seitens der VGF sei keine andere Fläche angeboten worden, obwohl genügend leere Flächen im Besitz der Verkehrsgesellschaft seien.

Scharfe Kritik äußerte ebenfalls der Mobilitätsdezernent Wolfgang Siefert (ebenfalls Grüne): „Offenkundig wurde viel Energie in diese Brandschutzuntersuchung gesteckt und deutlich weniger Energie darauf verwendet, gemeinsam nach einer Lösung zu suchen.“ In seinem Amt ist Siefert Vorsitzender des Aufsichtsrates der VGF. „Die VGF rühmt sich, dass die Übernahme von gesellschaftlicher Verantwortung ein Leitmotiv für ihr tägliches Handeln sei. Das aktuelle Vorgehen ist aus meiner Sicht damit nicht vereinbar.“

Notunterkunft im Eschenheimer Tor seit 2018

Siefert betonte weiter, dass die obdachlosen Menschen nicht verschwänden. „Obdachlose Menschen, oft mit multiplen Hilfebedarfen, werden künftig wieder unkontrolliert in B-Ebenen und auf Bahnsteigen übernachten“, sagte Siefert. Dadurch entstünden Probleme, die sie gemeinsam mit der Stadt zu lösen versuche. „Sie konterkariert damit die gemeinsamen Anstrengungen für mehr Sicherheit, Sauberkeit und Ordnung im Frankfurter Nahverkehr“, sagte Siefert.

Seit 2018 war ein Teil der B-Ebene der Station abgetrennt und obdachlosen Menschen als Notquartier zur Verfügung gestellt worden. In der Corona-Pandemie war die Einrichtung auch tagsüber geöffnet. Betrieben wird sie vom Frankfurter Verein im Auftrag der Stadt – der Verein kümmert sich nachts auch mit einem Hitzebus um Obdachlose.

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