Berlin-Wahl 2026

Schäbig statt sexy? Was Berlin im Wahlkampf bewegt

Aktualisiert am 16.09.2026 – 05:45 UhrLesedauer: 4 Min.

Der Ausblick für Berlin: Auch politisch gesehen heiter bis wolkig. (Quelle: Sebastian Gollnow/dpa/dpa-bilder)

Meckern ist Volkssport in Berlin, aber auch positive Entwicklungen sind manchmal „Talk of the Town“. Von Wuchermieten bis Schul-Neubau: Darüber spricht die Hauptstadt vor der Wahl.

Kultur und Kunst im Überfluss, günstige Mieten und bei aller Atemlosigkeit eine gewisse „Jemütlichkeit“ im Kiez – dieses Versprechen Berlins an die Republik gehört aus Sicht vieler Hauptstädter der Vergangenheit an. Vor der Wahl des Landesparlaments an diesem Sonntag bestimmt der oft raue Alltag in der größten Metropole zwischen Paris und Moskau das Stadtgespräch. Gibt es noch bezahlbare Wohnungen? Wo kommt der wilde Müllhaufen vor meiner Haustür schon wieder her? Und: Sollte eine Sozialistin Berlin regieren, dessen einer Teil als Frontstadt des Westens galt?

Nicht mehr „arm, aber sexy“, sondern „teuer und schäbig“?

„Die Stadt blickt an sich hinunter, und was sie sieht, ist hässlich.“ So umschrieb vergangene Woche ein Korrespondent der „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“ das momentane Selbstverständnis. Tatsächlich war die Vermüllung und Verwahrlosung des öffentlichen Raums prominentes Wahlkampfthema. Der frisch gebackene CDU-Spitzenkandidat Stefan Evers schlug etwa vor, Sozialhilfeempfänger sollten dazu angehalten werden, Berlin sauber zu halten. SPD und Linke wollen den Sperrmüll wieder kostenlos abholen lassen. Die Grünen setzen auf eine Verpackungssteuer, die Müll vermeiden soll und Verursacher bezahlen lässt.

Auffällig zudem, dass in diesem Sommer in der Stadt viele Obdachlose campieren – entlang der Kanäle und in Parks oder städtischen Grünanlagen, wo sonst Kindergeburtstage gefeiert wurden oder Menschen auf Wiesen in der Sonne lagen. Auch sind zahlreiche Plätze, Straßenzüge und auch U-Bahnhöfe weiter stark von Drogenkonsumenten besucht, was bei manchen Bürgern das Sicherheitsgefühl beeinträchtigt.

Günstig und zugleich lecker essen gehen – auch das ist nicht mehr Standard. Es gibt zwar weiter sehr viele sehr gute Restaurants, aber die Preise sind infolge der Inflationsschübe der vergangenen Jahre teils kräftiger gestiegen als im Rest der Republik.

Ob Berlin wegen dieser Entwicklungen etwas weniger beliebt ist als Reiseziel, lässt sich nicht eindeutig belegen. Jedenfalls ebbte der Boom zuletzt ab: Die Zahl der Übernachtungen lag 2025 bei 29,4 Millionen – ein Minus von 3,8 Prozent. Zum Vergleich: Im Rekordjahr 2019 lag die Zahl noch bei rund 34 Millionen.

Es gibt auch Positives!

Meckern ist Volkssport in Berlin, aber auch positive Entwicklungen sind manchmal „Talk of the Town“. So sind wochen- oder gar monatelange Wartezeiten in den Bürgerämtern, um Pässe und Ausweise zu verlängern, inzwischen passé. Im Mai verkündete der scheidende Regierende Bürgermeister Kai Wegner (CDU), dass die Bürgerämter erstmals die Vorgaben des Projekts „14-Tage-Ziel“ erreicht haben. „Jeder, der binnen 14 Tagen einen Termin beim Bürgeramt möchte, bekommt nun auch einen.“ Tatsächlich gebe es ihn inzwischen sogar meist schon am gleichen Tag.

Zweites Beispiel: Hundekot. Für die vielen Hinterlassenschaften auf Gehwegen und in Parks war Berlin lange Zeit berüchtigt. Dies hat sich inzwischen stark gebessert, obwohl es deutlich mehr Hunde gibt. Viele Hundebesitzer sammeln den Kot ihrer Lieblinge inzwischen vorschriftsgemäß auf. Eine Motivation vielleicht: Wer es versäumt, muss mit einem Verwarngeld von 55 Euro oder einem Bußgeld bis 350 Euro rechnen.

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