Selbst Scannen im Geschäft
SB-Kassen boomen – warum sie trotzdem nicht jeder mag
05.11.2025 – 04:06 UhrLesedauer: 4 Min.
Die Zahl der Selbstbedienungskassen wächst rasant. Viele Kunden nutzen sie, andere bleiben skeptisch. Werden klassische Kassen eines Tages verschwinden?
Erst die Milch, dann den Kaffee und die Tiefkühlpizza: scannen, zahlen, einpacken und gehen. Ob im Supermarkt oder in der Drogerie – für viele Kunden ist das längst Alltag. Von den rund 710.000 Kassen im deutschen Einzelhandel ist inzwischen jede 18. eine Selbstbedienungskasse. Und ihre Zahl wächst weiter – trotz einiger Nachteile. Warum? Die wichtigsten Fragen und Antworten:
2025 gibt es in deutschen Geschäften etwa 38.650 Selbstbedienungskassen, wie eine aktuelle Studie des Handelsforschungsinstituts EHI zeigt. Die Zahl ist in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen. Zum Vergleich: 2023 gab es gut 16.000, 2021 weniger als 7.300. Zwei Drittel der Geräte stehen im Lebensmittelhandel. Über 10.300 Läden hierzulande verfügen inzwischen über SB-Kassen – mehr als doppelt so viele wie 2023. Für die Analyse hat das EHI mehr 100 als Unternehmen und Unternehmensgruppen befragt, darunter alle großen.
„Bei Kunden gibt es eine sehr hohe Akzeptanz. Der Anteil derer, die SB-Kassen nutzen, nimmt zu“, sagt EHI-Experte Frank Horst. Laut einer YouGov-Umfrage im Auftrag der Deutschen Presse-Agentur nutzen knapp zwei Drittel der Menschen in Deutschland SB-Kassen – 19 Prozent immer, wenn sie können, 43 Prozent manchmal. 24 Prozent wollen sie gar nicht verwenden, 13 Prozent haben sie noch nie ausprobiert, können es sich aber vorstellen. Befragt wurden über 2.000 Erwachsene zwischen dem 29. und 31. Oktober.
Jeder Zweite, der noch nie an einer SB-Kasse gescannt hat, bevorzugt der Umfrage zufolge persönlichen Kontakt an der Kasse (54 Prozent). 42 Prozent zahlen lieber bar, was nicht an allen SB-Kassen möglich ist. Knapp jedem Dritten ist es zu viel Arbeit und unkomfortabel (31 Prozent). Etwa jeder Vierte empfindet den Vorgang als zu kompliziert und fürchtet, dabei Fehler zu machen (27 Prozent). Bei der Frage nach den Gründen waren mehrere Antworten möglich.
Oft muss man nicht so lange warten. „Wenn Kunden sehen, dass es an SB-Kassen schneller geht, probieren sie es beim nächsten Mal selbst aus.“ Nach der Einführung der Kassen gebe es meist Vorbehalte, sagt Horst, aber die legten sich rasch. Viele nutzen SB-Kassen bevorzugt, wenn sie nur wenige Produkte kaufen. Ideal sind laut Horst Einkäufe mit bis zu 10 Artikeln, da die Ablageflächen begrenzt sind.
An SB-Kassen wird häufiger geklaut. Mit der zunehmenden Verbreitung und Nutzung steige das Diebstahlrisiko, sagt EHI-Experte Horst. Die Händler nutzen technische Hilfsmittel, um die Gefahr zu senken – wie Ausgangsschleusen und Kameraüberwachung. Dabei kommt auch Software mit künstlicher Intelligenz zum Einsatz, die bei verdächtigem Kundenverhalten Alarm meldet.











