t-online hat Christian Ulmen unmittelbar nach Bekanntwerden der Vorwürfe um eine Stellungnahme gebeten, diese blieb unbeantwortet. Der Schauspieler selbst äußerte sich bislang nicht. Es gilt die Unschuldsvermutung. Sein Rechtsbeistand Christian Schertz bezeichnete die Veröffentlichungen als „unwahre Tatsachen aufgrund einseitiger Schilderung“. Das zuständige Bezirksgericht in Palma bestätigte auf Anfrage von t-online, dass ein Verfahren laufe. Dieses befinde sich „in einer sehr frühen Phase“.

Vor diesem Hintergrund ordnet Moschner die Debatte ein und warnt zugleich vor vorschnellen öffentlichen Reaktionen. „Alles, was wir im Netz dazu posten, oder in der Presse sagen, kann für Gewaltbetroffene negativ ausgelegt werden“, sagt sie.

Mit Blick auf strukturelle Probleme wird Moschner deutlich. Sie fordert unter anderem eine schnellere Strafverfolgung – gerade bei digitalen Straftaten. „Dazu kommt, findet man den mutmaßlichen Täter, wartet man durchschnittlich 12 bis 18 Monate auf einen Prozess“, sagt sie. In dieser Zeit gebe es häufig keine spürbaren Konsequenzen. Gleichzeitig sei es für Betroffene kaum möglich, einmal verbreitete Inhalte vollständig aus dem Netz zu entfernen.



Warum tritt das Gewalthilfegesetz erst 2032 in Kraft?


ruth moschner


Überdies spricht Moschner über mögliche Veränderungen auf gesellschaftlicher Ebene. Sie verweist etwa auf Forderungen, Plattformen stärker in die Pflicht zu nehmen und technische Lösungen zur Identifizierung von Tätern voranzutreiben. Gleichzeitig stellt sie bestehende Strukturen infrage: „Warum tritt das Gewalthilfegesetz erst 2032 in Kraft?“, fragt sie. Auch bei der Ausbildung von Fachpersonal sieht sie Defizite – etwa wenn es darum gehe, Gewaltspuren frühzeitig zu erkennen.

Zugleich betont Moschner, dass es bei aller öffentlichen Aufmerksamkeit auch um individuelle Wege gehe. „Wer aktuell keine Kraft hat, zu gehen, oder sich laut zu artikulieren, ist nicht schwach“, sagt sie. Betroffene hätten jeweils ihr eigenes Tempo. Solidarität könne dennoch eine wichtige Rolle spielen – nicht nur für einzelne Fälle, sondern auch für die gesellschaftliche Debatte insgesamt. Diese könne sich dadurch verändern und langfristig auch Auswirkungen auf rechtliche Rahmenbedingungen haben.

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