Herzrisiko durch hohen Lp(a)-Wert
Hoffnungsträger Pelacarsen strauchelt in Phase-III-Studie
07.09.2026 – 13:22 UhrLesedauer: 2 Min.
Der Wirkstoff Pelacarsen senkt einen wichtigen Risikofaktor für Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Doch eine große Studie zeigt: Das allein schützt offenbar nicht vor lebensbedrohlichen Ereignissen.
Ein hoher Wert an Lipoprotein(a), kurz Lp(a), gilt als Risikofaktor für Herzinfarkt und Schlaganfall und lässt sich durch Lebensstilmaßnahmen wie Ernährung oder Bewegung nicht beeinflussen. Die Höhe des Werts ist größtenteils erblich festgelegt. Bislang gibt es kein zugelassenes Medikament, das Lp(a) gezielt senkt und dadurch nachweislich Herzinfarkte oder Schlaganfälle verhindert. In den Wirkstoff Pelacarsen wurden daher große Erwartungen gesetzt, denn er kann Lp(a) senken. Doch die Ergebnisse der Phase-III-Studie sind zunächst enttäuschend.
Gut zu wissen
Etwa jeder fünfte Mensch hat erhöhte Lp(a)-Werte, häufig, ohne davon zu wissen. Fachleute empfehlen, den Wert mindestens einmal im Erwachsenenalter bestimmen zu lassen. Eine Messung reicht für gewöhnlich, da Lp(a) zu 90 Prozent genetisch bedingt ist und sich im Laufe des Lebens kaum verändert.
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Studie erreicht wichtigstes Ziel nicht
An der über sechs Jahre laufenden internationalen Phase-III-Studie nahmen 8.323 Menschen teil, bei denen sowohl eine Herz-Kreislauf-Erkrankung als auch ein erhöhter Lp(a)-Wert vorlag. Sie erhielten entweder den Wirkstoff Pelacarsen monatlich als Spritze oder ein Placebo, also ein Scheinmedikament, das keinen pharmakologisch wirksamen Stoff enthält. Zusätzlich bekamen sie die medizinisch vorgesehene Standardbehandlung, etwa Medikamente gegen erhöhte Blutfettwerte und Bluthochdruck.
Studienphasen bis zur Zulassung eines Medikaments
Phase I: Ein neuer Wirkstoff wird erstmals an Menschen getestet. Im Mittelpunkt stehen Verträglichkeit, Sicherheit und die passende Dosierung.
Phase II: Der Wirkstoff wird an mehr Menschen untersucht. Die Forscher prüfen vor allem, ob er bei der vorgesehenen Erkrankung wirkt und welche Dosis geeignet ist.
Phase III: Nun wird der Wirkstoff an einer großen Zahl von Patienten getestet. Entscheidend ist, ob er ausreichend wirkt und sicher ist. Die Ergebnisse können die Grundlage für eine Zulassung bilden.
Phase IV: Nach der Zulassung wird das Medikament weiter beobachtet. Dabei geht es unter anderem um seltene Nebenwirkungen und die langfristige Anwendung.
Für die Wissenschaftler war insbesondere von Interesse, ob Pelacarsen schwere Herz-Kreislauf-Ereignisse verhindern konnte. Dazu zählen tödlich verlaufende Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Herzinfarkte und Schlaganfälle sowie Eingriffe, um die Blutversorgung durch verengte Herzkranzgefäße wiederherzustellen.
Dabei zeigte sich, dass Pelacarsen zwar den Lp(a)-Wert senkte, aber das Risiko für diese schweren Herz-Kreislauf-Ereignisse nicht ausreichend reduzieren konnte. Damit erreichte die Studie ihr wichtigstes Ziel nicht. Das aktuelle Ergebnis stellt daher die Annahme infrage, ob eine starke Senkung von Lp(a) auch automatisch zu weniger Herz-Kreislauf-Ereignissen führt. Konkrete Zahlen zu den Ereignisraten und statistischen Ergebnissen liegen bislang nicht vor. Die vollständigen Daten sollen dem Schweizer Pharmakonzern Novartis zufolge demnächst auf einem medizinischen Kongress vorgestellt werden.
Wie wirkt Pelacarsen?
Der Wirkstoff gehört zu den sogenannten Antisense-Oligonukleotiden. Das sind kurze Erbgutbausteine, die die Herstellung bestimmter Eiweiße im Körper gezielt bremsen können. Bei Pelacarsen betrifft das ein Eiweiß, das für die Bildung von Lp(a) benötigt wird.
