Messalina hatte Verbündete im Senat, besonders wichtig waren auch ihre Alliierten unter den Freigelassenen, also früheren Sklaven. In der römischen Republik hatte es keine nennenswerte Bürokratie gegeben, diese kam dann unter den Kaisern auf. Im Wesentlichen bestehend aus Sklaven und Freigelassenen des kaiserlichen Hauses. Darunter waren Menschen, die ungeheuer mächtig waren, aber keine offizielle Position innehatten. Ebenso wie die Kaiserin, die großen Einfluss, erheblichen Zugang, aber keine richtige Macht hatte. Messalina hat ihr Netzwerk bemerkenswert ausbalanciert.
Wie lebte Messalina als Kaiserin?
Das ist eine gute Frage. Ich stelle mir Messalinas Leben als eine berauschende Mischung aus purer Freude, Luxus, Aufregung und Todesangst vor. Immerhin befand sie sich im Zentrum der Welt. Messalina und Claudius teilten auf gewisse Weise ein dramatisches Schicksal, sie waren beide umgeben von Menschen, die sich selbst für die bessere Kaiserin und den besseren Kaiser hielten. Ihr Leben war auf gewisse Weise gesteigert, wenn man es so ausdrücken möchte. Dieses Spinnen von Intrigen, dieses ständige „Auf der Hut sein“-Sein ist ihr wahrscheinlich in Fleisch und Blut übergegangen. In der Rückschau müssen wir sagen: Ja, Messalina hat gemordet, aber auf eine kontrollierte, strategische Weise, nicht als diese berüchtigte Frau, als die sie dann dargestellt wurde.
Wie war die Beziehung zwischen Kaiser und Kaiserin?
Der weitaus ältere Claudius war Messalina zugetan, er war ihr möglicherweise auch hörig. Eine solche Ehe war ein politisches und wirtschaftliches Bündnis, bei Claudius war es mehr. Das zeigt sich auch daran, dass bei Messalinas Sturz die Berater ein Zusammentreffen zwischen Claudius und Messalina verhinderten. Sie hatten Angst, dass der Kaiser seiner Frau verzeihen würde.
Um die Sache noch einmal zurechtzurücken: Was ist Realität, was ist Legende an Messalinas Sexleben?
Zahlreiche der Geschichten über ihre sexuellen Eskapaden können wir als Gerüchte abtun, aber dass Messalina außereheliche Beziehungen pflegte, ist ziemlich wahrscheinlich. Das Sexualleben einer vor rund 2.000 Jahren verstorbenen Person zu erforschen, ist schwierig, erst recht, wenn so viel dazu erfunden wurde. Dem Naturforscher Plinius dem Älteren verdanken wir die Behauptung, dass Messalina einmal die berüchtigtste Prostituierte Roms zu einem Wettbewerb herausgefordert habe: Wer könne innerhalb eines Tages und einer Nacht mit mehr Männern schlafen? Messalina hat angeblich mit 25 Männern gewonnen. Daran zeigt sich, wie Gerüchte binnen kürzester Zeit zu einer angeblich wissenschaftlichen Tatsache werden können.
Messalina war eine geschickte Machtpolitikerin, aber letztlich verzockte sie sich. Wie kam es zu ihrem Fall?
Zu ihrer Zeit gab es einen Mann namens Decimus Valerius Asiaticus. Er war außerordentlich reich, sehr beliebt, wohl auch charismatisch und klug. Diesem Asiaticus gehörten die schönsten Gärten Roms, die Gärten des Lucullus, Messalina hatte ein Auge darauf geworfen. Die Quellen verwenden bei der Schilderung ihres Begehrens nach den Gärten eine geradezu sexuelle Konnotation. Also erfand Messalina Anschuldigungen, es kam zu einer Art Schauprozess gegen Asiaticus. Der allerdings fast scheiterte, obwohl sie ihn so sorgfältig inszeniert hatte. Insgesamt ist es eine obskure Geschichte. Das war jedenfalls eine Art Wendepunkt in ihrer Herrschaft.










