Innovation für unsichtbares Problem

Roboter bei dm: Was eine Bremer Firma damit zu tun hat


Aktualisiert am 23.02.2026 – 18:39 UhrLesedauer: 2 Min.

Geschäftsführer Georg Bartels (r.) und Jonas Reiling in einer dm-Filiale in Bremen: Seit einigen Jahren sind die Scan-Roboter von Ubica Robotics im Einsatz. (Quelle: Sarbach/WFB)

Nachts, wenn alles schläft, erwachen Roboter zum Leben und fahren durch Dutzende Drogeriemärkte in Deutschland. Dahinter steckt eine Innovation aus Bremen.

Wenn abends die Lichter in der Drogerie ausgehen, beginnt seine Schicht. Rund zwei Meter hoch, gut 60 Kilo schwer, rollt der Roboter durch die Gänge, scannt Regal für Regal – und erstellt ein digitales Abbild der gesamten Filiale. Entwickelt wurde der autonome Helfer von Ubica Robotics, einem Bremer Start-up mit Wurzeln an der Universität.

Die Idee: Jede Nacht entsteht ein „tagesaktueller digitaler Zwilling“, wie Geschäftsführer Jonas Reiling es nennt – „in einem Detailgrad, den es heute nirgends gibt“. Kameras, Sensoren und KI-gestützte Bildverarbeitung erfassen, welche Produkte wo stehen und ob Lücken im Regal klaffen.

Der Hintergrund ist ein Problem, das im Alltag kaum sichtbar ist: Bestände in Filialen stimmen oft nicht mit der Realität überein. Mit der Zeit schleichen sich Fehler ein – durch falsches Einscannen an der Kasse, beschädigte Ware oder Diebstahl. „Kein Mensch kann jeden Tag Tausende Artikel zählen und ihren genauen Standort festhalten“, sagte Mitgründer Georg Bartels einst. Genau hier setzt die Technik an.

Bei dm sind die Scan-Roboter seit Mitte 2022 im Einsatz. Nach erfolgreichen Tests wurde ihre Zahl bis Mai 2024 auf 100 Geräte verdoppelt. Roman Melcher, als dm-Geschäftsführer für IT zuständig, spricht von einem „bedeutenden Fortschritt bei der digitalen Transformation unserer dm-Märkte“. Die automatische Erkennung von Präsenzlücken verbessere die Produktverfügbarkeit und reduziere manuelle Kontrollen.

Für die Beschäftigten soll der Roboter kein Ersatz sein, sondern Entlastung. Wenn Zähl- und Kontrollaufgaben automatisiert laufen, bleibt mehr Zeit für Beratung. Zudem lassen sich auf Basis der erfassten Daten Laufwege optimieren – etwa beim Einräumen oder beim Zusammenstellen von Online-Bestellungen im Markt.

Entstanden ist Ubica Robotics 2020 als Ausgründung des Instituts für Künstliche Intelligenz der Universität Bremen. Reiling und Bartels arbeiteten dort zuvor als wissenschaftliche Mitarbeiter in einem europäischen Forschungsprojekt zur Optimierung logistischer Prozesse im Handel. Mit Förderung aus dem EXIST-Programm des Bundes gründeten sie ihr Unternehmen.

Share.
Exit mobile version