Auch Thilo Maack, Greenpeace-Meeresbiologe, wies die Vorwürfe von Lehmann auf einer Pressekonferenz am Sonntag zurück, ebenso wie der Landwirtschafts- und Umweltminister von Mecklenburg-Vorpommern, Till Backhaus. Der SPD-Politiker möchte sich bei Lehmann melden, um die Thematik aus der Welt zu schaffen. Auch er betonte, dass der Biologe nicht ausgeschlossen wurde.
Es ist nicht das erste Mal, dass der Meeresbiologe, der sich aber vor allem als Fotograf und Influencer einen Namen bei Tierdokumentationen gemacht hat, Irritation auslöst. Als im vergangenen Jahr im Tiergarten Nürnberg zehn Paviane erschossen wurden, stellte er die Tötung der Tiere in einem Video als vermeidbar dar. Den YouTube-Kanal des Biologen haben mehr als eine Million Menschen abonniert, auf Instagram hat er rund 789.000 Follower.
Dabei berief er sich vor allem auf Graham Garen, den Betreiber des Wales Ape and Monkey Sanctuary (WAMS) in Großbritannien. Dort habe man „die ganze Zeit einen Platz freigehalten“, doch niemand aus Nürnberg habe die Einrichtung kontaktiert, um dort die Paviane unterzubringen. Damit legte Lehmann nahe, der Tiergarten habe eine mögliche Unterbringung der Tiere nicht ernsthaft verfolgt und die Tiere lieber getötet.
Genau an diesem Punkt wird Lehmanns Darstellung aber zweifelhaft. Denn WAMS-Betreiber Garen räumte in dem Video ein, dass er vom Tiergarten ein Formular des Europäischen Zooverbandes EAZA erhalten hatte. Nach Angaben des Zoos sollten damit vor allem die Haltungsbedingungen in Wales abgefragt werden. Das WAMS habe auf diesen Fragenkatalog jedoch nie geantwortet.
Der Tiergarten veröffentlichte anschließend die Kommunikation auf seiner Website. Aus den Dokumenten geht hervor, dass die Nürnberger Verantwortlichen mehrfach um Rückmeldung baten. Aus Sicht des Zoos scheiterte die Abgabe deshalb nicht an fehlendem Interesse, sondern an ausbleibenden Informationen zur Unterbringung.
