Alters-Stichelei, Uber-Streit und ein Bier

Die überraschende Wendung im Münchner Wahlkampf

17.03.2026 – 06:01 UhrLesedauer: 4 Min.

Münchens Oberbürgermeister Dieter Reiter (l.) und Gegenkandidat Dominik Krause (Grüne): Am 22. März wählen die Münchener ihr Stadtoberhaupt. (Quelle: Felix Hörhager)

Reiter oder Krause? Vor der Münchner Stichwahl am 22. März zeigen sich beide Kandidaten betont einig – doch ein Thema könnte alles entscheiden.

Ein Wahlkampf ohne Schlammschlacht: Der Münchner Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) und sein Herausforderer Dominik Krause (Grüne) bestreiten die Stichwahl am 22. März betont sachlich. Persönliche Angriffe bleiben aus – sieht man von gelegentlichen Alters-Stichelein des 67-jährigen Amtsinhabers gegen seinen 35 Jahre alten Zweiten Bürgermeister ab.

Das mag auch daran liegen, dass beide Männer seit Jahren zusammenarbeiten und ihre Parteien derzeit noch gemeinsam die Rathaus-Koalition bilden. „Wir geben uns sehr viel gegenseitig recht“, sagte Reiter im Radio-Duell mit Krause bei Radio Charivari. „Das zeigt, dass wir schon ein paar Jahre zusammengearbeitet haben.“

Der Politologe und Experte für Kommunalpolitik an der Ludwig-Maximilians-Universität München, Martin Gross, bringt es so auf den Punkt: „Eine extreme Politikveränderung in die eine oder andere Richtung“ sei „bei keinem der beiden Kandidaten zu erwarten“. Ursula Münch, Direktorin der Akademie für politische Bildung in Tutzing, sieht das differenzierter: „In der Verkehrs- und der Wohnungspolitik“ unterschieden sie sich – „durchaus auch in der Wirtschaftspolitik.“

Einig sind sich beide übrigens darin, dass die seit Monaten verschwundene Eisbachwelle so schnell und unkompliziert wie möglich zurückkommen soll.

Beim Thema Wohnungsbau werden die Unterschiede deutlich. Krause will 50.000 neue bezahlbare Wohnungen schaffen und setzt dabei unter anderem auf die Umwidmung von rund 1,8 Millionen Quadratmetern leerstehender Büroflächen. Daraus sollen etwa Studentenwohnungen entstehen, die nicht mehr als 450 Euro Miete kosten. Umsetzen will er das mit einer eigens gegründeten Umwandlungsagentur.

Reiter ist skeptisch: Investoren hätten kaum Interesse an solchen Projekten, weil sie nicht sonderlich rentabel seien. Auch bei den städtebaulichen Entwicklungsmaßnahmen (SEM) gehen die Meinungen auseinander: Krause hält an ihnen fest und schließt Enteignungen als letztes Mittel nicht aus, um Baugrundstücke am Stadtrand zu sichern. Reiter dagegen lehnt die SEM inzwischen ab.

Dass die Münchner S-Bahn unzuverlässig fährt, ärgert beide – doch ein Oberbürgermeister hat dort kaum Einfluss, zuständig sind vorwiegend Freistaat und Bund. Die Ausweitung von Fußgängerzonen befürworten ebenfalls beide Kandidaten.

Grünen-Kandidat Krause setzt primär auf den Ausbau des ÖPNV und von Radwegen. Reiter teilt das grundsätzlich, will aber auch Autofahrer nicht vergessen – insbesondere der Lieferverkehr in der Stadt benötige genügend Parkplätze. Beim Mittleren Ring hält Reiter an Tempo 50 fest und sieht die Grenzwerte für Luftverschmutzung als eingehalten an. Krause bevorzugt die vom Gericht zuletzt vorläufig angeordnete Geschwindigkeitsbegrenzung auf Tempo 30.

Share.
Exit mobile version