„War nicht ganz bei Sinnen“

Reiter gesteht schwere Fehler in der FC Bayern-Affäre


18.03.2026 – 18:28 UhrLesedauer: 2 Min.

Dieter Reiter (links) neben Bayern-Präsident Herbert Hainer: Der Münchner Oberbürgermeister ist seit seiner Kindheit Bayern-Fan. (Quelle: Eibner-Pressefoto/Jenni Maul/imago-images-bilder)

Münchens Oberbürgermeister räumt im „Zeit“-Interview einen Kontrollverlust ein. Als Grund nennt er emotionalen Stress – verursacht auch durch den Wahlkampf.

Münchens Oberbürgermeister Dieter Reiter hat mit der „Zeit“ über sein Verhalten in der FC-Bayern-Affäre gesprochen. Im Interview mit der Wochenzeitung hat der SPD-Politiker gravierende Fehler zugegeben.

Konkret ging es um die nicht genehmigten Aufwandsentschädigungen des Vereins, die Reiter erst nach Bekanntwerden eingeräumt hatte. Ein „katastrophaler Fehler“ sei das gewesen, so Reiter im „Zeit“-Interview.

Der Münchner Oberbürgermeister bezeichnete sein Verhalten als „völlig widersprüchlich“: Einerseits habe er die Vorwürfe vom Tisch räumen wollen, andererseits hatte er nicht alle Informationen preisgegeben.

Als Grund nannte er emotionalen Stress, den die Situation ausgelöst hatte, sowie den Wahlkampf. Dieser hatte nämlich sehr persönliche Züge angenommen. „Ich war da tatsächlich fast nicht ganz bei Sinnen“, schilderte Reiter sein Verhalten.

Seit 2021 erhielt Reiter eine Aufwandsentschädigung für seinen Posten im Verwaltungsrat. Dabei sollen bislang insgesamt 90.000 Euro an ihn geflossen sein. Seit Februar ist Reiter außerdem in den Aufsichtsrat des Fußballvereins nachgerückt. Weder Posten noch die Aufwandsentschädigung hatte er vom Stadtrat genehmigen lassen.

Die Grünen, Linke und Volt kritisierten jedoch, dass, wie für Beamte üblich, solche Einkünfte genehmigungspflichtig seien. Reiter erklärte im Gespräch mit der „Zeit“: „Was da in mir vorgegangen ist, kann man nur mit großem emotionalem Stress beschreiben.“

Zu den Zahlungen versicherte er, nicht über die Höhe nachgedacht zu haben, „das kann ich eidesstattlich versichern.“ Vor allem ein solches Verhalten sei „für einen Sozialdemokraten dramatisch fataler“ als für Politiker anderer Parteien.

Der Oberbürgermeister betonte gegenüber der „Zeit“, dass es sich ja nicht um Steuerhinterziehung gehandelt habe oder dass er die Tätigkeit an sich verheimlicht hatte. Reiter sagte, er habe es „versemmelt“, den Stadtrat über die 20.000 Euro Aufwandsentschädigung im Jahr zu informieren. Infolge massiver Kritik beauftragte er auch seine eigene Rechtsabteilung, eine Überprüfung einzuleiten, deren Ergebnis jedoch noch aussteht.

Mittlerweile ist Reiter von allen Ämtern beim FC Bayern zurückgetreten. Die vom FC Bayern erhaltenen Summen wolle er sozialen Zwecken spenden. Beim ersten Wahldurchgang bekam er mit 35,6 Prozent der Stimmen keine absolute Mehrheit. Deshalb treten Reiter und sein Widersacher Dominik Krause (Grüne) am Sonntag (22. März) in der Stichwahl gegeneinander an.

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