Spritknappheit im April

Tankstellenverband: Reiches Warnung „nicht unwahrscheinlich“


26.03.2026 – 09:53 UhrLesedauer: 3 Min.

Wirtschaftsministerin Katherina Reiche: Sie warnt vor Engpässen ab Ende April. (Quelle: Nadja Wohlleben/reuters)

Seit fast vier Wochen tobt Krieg am Golf. Die Preise an den Tankstellen steigen – und die Wirtschaftsministerin warnt vor Knappheiten im April. Was sagen Ölunternehmen und Tankstellenbetreiber?

Noch immer ist die zentrale Handelsroute Straße von Hormus faktisch gesperrt und eine Entspannung der Lage im Iran zeichnet sich nicht ab. In einigen asiatischen Ländern sind deshalb schon Energienotstände ausgerufen worden. Aber auch in Europa wächst die Nervosität. Zwar kommt ein Großteil der Energie nicht aus der Golfregion; doch je länger der Krieg andauert, desto wahrscheinlicher werden Engpässe auch hier zu spüren sein.

Auf Anfrage von t-online bestätigten Tankstellenbetreiber zum Teil, dass dieser Fall eintreten könnte. „Ja, natürlich ist eine Knappheit denkbar, weniger beim Rohöl als bei den Mitteldestillaten wie Diesel, Kerosin und Heizöl bzw. deren Vorprodukt Gasoil“, sagt Jürgen Ziegner, Geschäftsführer des Zentralverbands des Tankstellengewerbes (ZTG). Schon seit Kriegsbeginn würden Fachleute vor genau diesem Szenario warnen. Wirtschaftsministerin Reiche fasse daher „eine mögliche und nicht unwahrscheinliche Entwicklung“ gut zusammen.

Daniel Kaddik vom Bundesverband Freier Tankstellen (bft) teilt diese Meinung allerdings nicht. „Aktuell sehen wir keine Hinweise auf eine akute oder absehbare Knappheit bei Benzin, Diesel oder Kerosin in Deutschland. Weder aus der Branche insgesamt noch von Importeuren liegen uns Signale vor, dass es Einschränkungen beim verfügbaren Volumen gibt,“ sagt der Geschäftsführer zu t-online. Das bedeute allerdings nicht, dass die Preise nicht auf mögliche Handelseinschränkungen reagieren würden: „Schon die Aussicht auf mögliche Störungen von Handelsrouten oder Lieferketten kann den Weltmarktpreis bewegen – auch wenn die tatsächliche Versorgungslage stabil bleibt.“

Kaddik kritisiert deshalb auch die Kommunikation von Reiche, deren Aussagen nach seiner Ansicht gerade „besonders heikel“ seien. „Sie können Verunsicherung auslösen und im Extremfall zu Vorzieheffekten oder Hamsterkäufen führen. Das würde die Nachfrage kurzfristig erhöhen und damit die Preise zusätzlich treiben – ohne dass sich an der realen Versorgungslage etwas geändert hat.“ Er bewerte die Einschätzung der Ministerin, dass in vier Wochen schon Knappheiten entstehen könnten, als „vorsorgliche Risikoeinschätzung“, die nicht unbedingt vom aktuellen Lagebild dominiert sei.

Das Bundeswirtschaftsministerium versuchte am Mittwoch, die Aussagen von Reiche etwas abzumildern. Die Ministerin habe sich mit ihrer Äußerung „auf ein Worst-Case-Szenario aus unverminderter militärischer Auseinandersetzung im Nahen Osten in Verbindung mit einer dauerhaften Unpassierbarkeit der Straße von Hormus bezogen“. Die Lieferketten funktionierten; mit Rohöl unter anderem aus Kasachstan und Norwegen. „Wir sehen keine physischen Engpässe in Deutschland“, so ein Sprecher aus dem Ministerium.

Auch das Mineralölunternehmen Aral sagt auf Nachfrage, dass es aktuell keine Lieferengpässe an ihren Tankstellen gebe. „Weiterhin ist unser Ziel, die Versorgung der Kundinnen und Kunden mit Kraftstoffen sicherzustellen“, so ein Pressesprecher. Prognosen über die weitere Entwicklung der Lage würde man grundsätzlich nicht abgeben.

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