Rapper Sido besetzt den Titelsong seines neuen Albums mit Sänger Xavier Naidoo – und er tut das in voller Kenntnis dessen, wofür der Sänger steht.

Sido meldet sich zurück. Sein neues Album trägt den hoffnungsvollen Titel „Frieden“, doch eine Personalie entfacht in Fachkreisen, sozialen Medien und bei Szene-Größen wie Ikkimel heftige Diskussionen, noch bevor der Song erschienen ist: Xavier Naidoo. Es ist jener Sänger, der seit den Corona-Tagen als höchst umstritten gilt, weil er immer wieder Verschwörungsmythen verbreitet.

Denn hier geht es nicht um einen Sänger mit einer harmlosen ‚anderen Meinung‘. Es geht um einen Mann mit riesiger Community, der nachweislich teils hanebüchenen Unfug verbreitet und damit die Gesellschaft spaltet – und um einen zweiten, der um diesen Umstand weiß und ihn auf seiner Platte dennoch zu einer Art Friedensengel stilisiert.

Sidos Entscheidung für Naidoo ist kein harmloser künstlerischer Impuls. Er schafft bewusst eine Bühne für Verschwörungsmythen und Erzählungen, die Experten seit Jahren als antisemitisch einordnen. Sido weiß, wen er da vors Mikrofon bittet. Dass er sich dennoch für ihn entscheidet, ist der eigentliche Skandal.

Naidoo ist keine kuriose Altlast der Pandemie. In diesem Jahr suchte er in Berlin erneut die Nähe zu „Kinderschutz“-Kundgebungen und nutzte Begriffe, die Experten klar dem extrem rechten Spektrum zuordnen. Bereits 2020 flankierte Naidoo den Antisemiten Attila Hildmann, ignorierte mit ihm Demonstrationsverbote, sympathisierte mit „Reichsbürgern“, kollaborierte mit rechtsextremen Rockern und hielt dem offen antisemitischen Milieu öffentlich den Rücken frei.

Die juristische Aufarbeitung bleibt ein zentraler Faktor: Am Landgericht Mannheim sind weiterhin zwei Verfahren wegen des Verdachts auf Volksverhetzung anhängig. Die Staatsanwaltschaft wirft dem Musiker vor, über seinen Telegram-Kanal Inhalte mit mutmaßlich „holocaustleugnendem und antisemitischem Charakter“ verbreitet zu haben. Xavier Naidoo lässt die Vorwürfe über seine Anwälte bestreiten und beteuert seine Unschuld. In der Tat gilt bis zu einer rechtskräftigen Verurteilung die Unschuldsvermutung – doch die Schwere der Anschuldigungen wiegt schwerer als jedes Pop-Intermezzo.

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