Auf den Tag genau vor einem Jahr wurde Fabian ermordet, seine Leiche anschließend in Brand gesetzt. Gina H. steht wegen Mordes vor Gericht – und der Vater des Jungen hält zu ihr. Eine Psychologin erklärt, wieso.

Als der achtjährige Fabian am Abend des 10. Oktober vergangenen Jahres als vermisst gemeldet wurde, hofften Familie und Freunde tagelang, der Junge könnte noch lebend gefunden werden. Doch tatsächlich lag er zu dem Zeitpunkt bereits tot an einem Tümpel, rund 15 Kilometer von seinem Zuhause in Güstrow entfernt. Jemand hatte ihn mit sechs Messerstichen getötet und seine Leiche anschließend bis zur Unkenntlichkeit verbrannt.

Seit Ende April steht Gina H., die Partnerin von Fabians Vater, als Angeklagte in dem Mordfall vor dem Rostocker Landgericht. Dieser hatte sich zwei Monate vor der Tat von ihr getrennt. Nach dem Tod des Achtjährigen kamen beide wieder zusammen. Im Laufe des Prozesses sagte Fabians Vater, er glaube fest an die Unschuld der 30-Jährigen. Im Interview spricht Familienpsychologin Nina Grimm darüber, wie sich das erklären lässt.

  • Alle Entwicklungen: Fall Fabian – Prozess gegen Gina H.
  • Angeklagte im Fabian-Prozess: Gina H. wie ausgewechselt – bis es aus ihr herausplatzt

t-online: Frau Grimm, Gina H. hat vor Gericht mehrfach bestritten, etwas mit dem Mord zu tun zu haben. Glauben Sie ihr?

Nina Grimm: Ich habe Gina H. am 22. Prozesstag persönlich im Gerichtssaal erlebt, als sie ihre Einlassung vorgetragen hat. Ganz ehrlich: Hätte sie so als Patientin vor mir gesessen, hätte ich erst einmal keinen Anlass gehabt, ihr nicht zu glauben. Da klang vieles sehr nachvollziehbar. Man hat gesehen, wie sehr sie unter Druck stand, das wirkte authentisch. Allerdings sind mir auch da schon erste Widersprüche aufgefallen. Sie hat zum Beispiel behauptet, eine sehr loyale und treue Person zu sein. Nur, um dann wenig später zu erzählen, dass sie durchaus Informationen über den Fund der Leiche zurückgehalten hat.

Gina H. hatte ja zuerst angegeben, die Leiche des Jungen zufällig bei einem Spaziergang mit ihrer Freundin entdeckt zu haben. Im Prozess kam nun aber heraus, dass sie schon am Abend zuvor mit zwei Männern zum Tümpel gegangen war. Also noch einmal: Glauben Sie ihr?

Nein, ich glaube ihr nicht. Wenn man ihre Einlassung analytisch betrachtet und auch die Erkenntnisse aus dem Prozess, die vielen Widersprüche in ihren Aussagen und die gesammelten Indizien gegen sie einfließen lässt, dann gibt es für mich keine andere Möglichkeit: Ich glaube, dass sie lügt.

Familienpsychologin Nina Grimm. (Quelle: @Nicole.Thie)

Zur Person

Nina Grimm, geboren 1987, studierte Psychologie und arbeitet heute in Freiburg als Familienpsychologin. Mit ihrem achtköpfigen Team hat sie in den vergangenen Jahren über 5.000 Familien begleitet und beraten. Sie ist Autorin mehrerer Bücher; ihr neuestes beschäftigt sich mit verschiedenen Elterntypen und erscheint am 22. Oktober 2026.

Jüngst hatte im Mordprozess der psychiatrische Sachverständige sein Gutachten vorgestellt und ihr psychopathische Tendenzen attestiert. Was bedeutet das?

Share.
Exit mobile version