Die eingesetzten Substanzen hemmen die männlichen Sexualhormone (Androgene). Prostatakrebs benötigt für das Wachstum bei fast allen Männern Testosteron. Wird dem Krebs Testosteron entzogen, kann dies das Krebswachstum bei Prostatakrebs viele Monate bis Jahre verlangsamen – und teilweise sogar stoppen. Der Hormonentzug wird als Androgendeprivationstherapie bezeichnet. Im Rahmen der Hormontherapie können unterschiedliche Medikamente mit verschiedenen Wirkweisen eingesetzt werden, die entweder gespritzt (sechs Monate Wirkzeit) oder als Stäbchen unter die Haut implantiert werden (zwölf Monate Wirkzeit).

„Die ‚klassische Hormontherapie‘ erfolgt mit sogenannten GnRH-Agonisten, auch LHRH-Agonisten genannt, oder GnRH-Antagonisten, auch LHRH-Antagonisten genannt. Diese senken die Menge des Testosterons im Blut, indem sie die Produktion des Gonadotropin-Releasing-Hormons, kurz GnRH, bremsen. Dieser Botenstoff bewirkt, dass Testosteron in den Hoden gebildet wird“, erklärt Weg-Remers. „Zwei Beispiele für GnRH-Agonisten sind Goserelin oder Leuprorelin. Zu den GnRH-Antagonisten gehören die Wirkstoffe Degarelix und Relugolix.“

Während die GnRH-Agonisten und die GnRH-Antagonisten den Testosteronspiegel im Blut beeinflussen, setzen sogenannte Antiandrogene an den Testosteron-Bindestellen der Krebszellen an. Dadurch lässt sich verhindern, dass das Testosteron die Krebszellen zum Wachsen anregt. Die Testosteronkonzentration im Blut bleibt dabei unbeeinflusst. „Bicalutamid ist das bekannteste Antiandrogen. Das Medikament, das Männer als Tablette einnehmen, blockiert die Testosteron-Bindestellen in gesunden Prostatazellen und in Prostatakrebszellen“, sagt Weg-Remers.

Die Wirkstoffe Enzalutamid, Apalutamid und Darolutamid hingegen gehören zu den neueren Wirkstoffen. „Diese kommen dann zur Anwendung, wenn die Prostatakrebszellen unempfindlich gegenüber den GnRH-Agonisten und GnRH-Antagonisten werden und das Krebswachstum fortschreitet. Man spricht dann auch von Kastrationsresistenz. Das ist recht häufig der Fall“, so die Krebsexpertin.

Die eingesetzten Wirkstoffe greifen erheblich in den männlichen Hormonhaushalt ein und können während der Behandlung Beschwerden hervorrufen. Dazu können unter anderem eine gestörte Erektionsfähigkeit, Libidoverlust, Hitzewallungen, Übelkeit, Schlafstörungen, Haarausfall, erhöhte Blutzucker- und Blutfettwerte, erhöhtes Osteoporoserisiko, Abnahme der Muskelmasse, Zunahme des Körperfettanteils, Verkleinerung von Penis und Hoden sowie ein Anschwellen der Brüste gehören. Welche Symptome die Krebsbehandlung im individuellen Fall begleiten und wann welche Nebenwirkungen wie lange auftreten, lässt sich im Vorfeld nicht vorhersagen.

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