Mit ihrem modernen Familien- und Frauenbild war Süssmuth vielen in ihrer eigenen Partei weit voraus und eckte immer wieder an – auch bei ihrem einstigen Förderer Kohl. Auch nach dem Ausscheiden aus der Politik im Jahr 2002 setzte sie sich unermüdlich für die Rechte von Frauen in Politik, Beruf und Gesellschaft ein, kämpfte etwa für ihre gleichberechtigte Vertretung in den Parlamenten.
Merz betonte, Süssmuth sei fachlich exzellent, in allen Ämtern und Funktionen beharrlich und streitbar sowie „ziemlich oft ziemlich unbequem“ gewesen – auch für seine Partei. „In vielen Fragen – vielleicht in den meisten – hat die Geschichte ihr recht gegeben“, sagte der Kanzler und CDU-Vorsitzende. „Sie war eben ihrer Zeit in mancher Hinsicht voraus.“ Süssmuth habe sich selbst und ihre Partei immer wieder gefordert. „Sie hat unser Land zum Besseren gefordert. Und das war, ja das bleibt ein großes Glück.“
Klöckner würdigte auch Süssmuths Wirken als Bundestagspräsidentin. Sie habe Einfluss genommen und die Möglichkeiten des Amtes neu definiert, sagte sie. „Rita Süssmuth hat unser Parlament als moralische Institution gestärkt.“
Der Journalist und Autor Heribert Prantl, der auf Wunsch Süssmuths sprach, nannte die Verstorbene „eine der Demokratie verpflichtete Möglichmacherin“, die dem Land fehlen werde. Ihre Tatkraft sei unwiderstehlich menschenfreundlich gewesen, sie habe Herzenswärme ausgestrahlt und andere Meinungen respektiert. „Rita Süssmuth war Demokratin mit Herz und Seele und mit scharfem Verstand.“
Prantl erinnerte unter den Augen der Feministin und „Emma“-Herausgeberin Alice Schwarzer an Süssmuths Kampf für eine humane, den Erkrankten zugewandte Aids-Politik und für ein liberales Abtreibungsrecht, bei dem die letzte Entscheidung bei den Frauen liegt. „Sie hat erst als Ministerin und dann als Bundestagspräsidentin mit souveränem Eigensinn ihrer Partei den Feminismus beizubringen versucht. Vielleicht hätte es ohne Rita Süssmuth eine Kanzlerin Angela Merkel nie gegeben.“
Ihr letztes großes Anliegen sei der Kampf um Parität in den Parlamenten gewesen. Sie habe für gesetzliche Regelungen geworben, die dafür sorgen sollten, dass in den Parlamenten je zur Hälfte Frauen und Männer vertreten sind. Dabei habe Süssmuth eine „verfassungspolitische Radikalität“ gezeigt, sagte Prantl.
