Millionenprojekt
Philharmonie braucht eine Generalkur – und das wird teuer
29.09.2026 – 17:34 UhrLesedauer: 2 Min.
Die Berliner Philharmonie ist seit ihrer Eröffnung 1963 nie grundlegend instand gesetzt worden. Jetzt zeigt eine Studie, was das bedeutet.
Eine Machbarkeitsstudie beziffert die Kosten für die Sanierung der Berliner Philharmonie auf rund 800 Millionen Euro. Das Konzerthaus am Potsdamer Platz soll voraussichtlich ab 2032 geschlossen werden und könnte bis 2040 nicht bespielbar sein. Das geht aus einer vom Orchester beauftragten Studie hervor.
Intendantin Andrea Zietzschmann sagte, seit der Eröffnung habe es keine grundsätzliche Instandsetzung mehr gegeben. Natürlich sei das eine riesengroße Investition. Konkret sind Brandschutz, Klimatechnik und Kabelanlagen veraltet, auch die Sanitäranlagen laufen wegen verstopfter Rohre mitunter über. Das Orchester teilte mit, der tägliche Veranstaltungsbetrieb könne ab spätestens 2032/2033 nicht mehr störungsfrei gewährleistet werden.
Der Große Saal verschlingt Großteil der Kosten
Von den rund 800 Millionen Euro Sanierungskosten entfallen laut Studie 436 Millionen Euro auf den Großen Saal. Für den kleineren Kammermusiksaal, der 1987 nach Plänen des Architekten Edgar Wisniewski eröffnet wurde, sind 307 Millionen Euro veranschlagt.
Während der Schließung bräuchte das Orchester eine Ausweichspielstätte. Zietzschmann plädiert für die Hangars 1 bis 3 des früheren Flughafens Tempelhof. „Das wäre einfach wirklich ein fantastischer Ort für so ein Projekt.“ Dafür sind rund 350 Millionen Euro veranschlagt, womit die Gesamtkosten laut Studie auf etwa 1,15 Milliarden Euro steigen. Als weitere Optionen sind auch das frühere Kongresszentrum ICC oder ein Neubau auf einer Freifläche im Gespräch.
Bei der Finanzierung sind noch Fragen offen. Der Bund hat über den Hauptstadtfinanzierungsvertrag bis zu 225 Millionen Euro zugesagt. Im Investitionshaushalt des Landes Berlin seien 350 Millionen Euro eingestellt, sagte Zietzschmann. Damit komme man in Richtung 600 Millionen Euro. Sie wünscht sich eine schnelle Entscheidung der nächsten Berliner Landesregierung und betonte, es brauche eine Entscheidung im nächsten halben Jahr, damit sich der Zeitplan nicht weiter verschiebe.
Sanierung kostet so viel wie ein Neubau der Elbphilharmonie
Musiker Philipp Bohnen, Medienvorstand der Berliner Philharmoniker, beschrieb die Bedeutung des Hauses so: „Was für mich als Geiger meine Geige ist, ist dieser Saal für uns als Orchester – nämlich unser Instrument.“ Der Saal „bedeutet uns die Welt“. „Die Akustik, die wir hier vorfinden, ist sensationell und einmalig in der Welt.“ Auf den vorübergehenden Umzug blickten die Musiker mit großer Sorge. „Wir hoffen, dass wir diesen Saal in genau dieser Akustik und in genau dieser Schönheit wiederbekommen können“, sagte Bohnen. Auch die Interimsspielstätte brauche eine sehr gute Akustik. Es werde in der Zeit einen großen Generationenwechsel geben, und die Vorstellung, dass viele Kolleginnen und Kollegen dann schon mehrere Jahre im Orchester seien, „und noch nie hier in unserem Zuhause gespielt haben“, sei befremdlich.