Ostdeutscher Einzelhandel

Große Parfümeriekette ist insolvent


06.06.2026 – 22:25 UhrLesedauer: 2 Min.

Filiale der Parfümerie-Kette Thiemann im Kornmarktcenter in Bautzen. (Quelle: IMAGO/Steffen Unger/imago)

Eine bekannte Parfümeriekette aus Ostdeutschland ist pleite. Das Unternehmen will sich in Eigenverwaltung sanieren – für Kunden soll sich zunächst nichts ändern.

Die Parfümerie Thiemann hat ein Planinsolvenzverfahren in Eigenverwaltung eingeleitet. Das Unternehmen mit Sitz in Bautzen betreibt 13 Filialen in Sachsen, Brandenburg und Sachsen-Anhalt sowie einen Online-Shop. Alle Geschäfte sollen zunächst geöffnet bleiben, auch Beratung, Serviceangebote, Kundenprogramme, App und Online-Shop laufen nach Unternehmensangaben weiter.

Betroffen sind nach Angaben der „Sächsischen Zeitung“ 60 bis 70 Arbeitsplätze. Das Unternehmen will nun prüfen, welche Standorte langfristig wirtschaftlich tragfähig sind. Konkrete Entscheidungen über mögliche Schließungen gebe es bislang nicht.

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Die Parfümerie Thiemann wurde 1990 in Bautzen gegründet. Das Familienunternehmen unter der Leitung von Evelyn und Bodo Thiemann ist heute die größte inhabergeführte Parfümeriekette Ostdeutschlands. Filialen gibt es unter anderem in Bautzen, Görlitz, Dresden, Leipzig, Freiberg, Pirna, Freital, Cottbus und Halle.

Corona-Folgen belasten das Unternehmen

Als Grund für die wirtschaftliche Schieflage nennt die Betreiberfamilie vor allem die Folgen der Corona-Pandemie. Während der Lockdowns seien Umsätze massiv eingebrochen, Mieten, Gehälter und weitere Verpflichtungen aber weitergelaufen. Um diese Kosten zu tragen, habe das Unternehmen Kredite aufnehmen müssen.

„Diese Belastung wirkt bis heute nach“, erklärte die Familie in einem öffentlichen Statement. Vor der Pandemie habe sich das Unternehmen auf einem stabilen Kurs befunden. „Wir waren kurz davor, nahezu schuldenfrei in die Zukunft zu gehen“, heißt es weiter.

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Corona sei aber nicht der einzige Grund für die Insolvenz. Die Pandemie habe Entwicklungen beschleunigt, die den stationären Handel seit Jahren belasten. Dazu zählt das Unternehmen sinkende Besucherzahlen in Einkaufscentern, Leerstände und steigende Kosten.

Alle Standorte werden geprüft

Viele Standorte hätten nach der Pandemie nicht mehr die früheren Kundenströme erreicht. Gleichzeitig seien die Mieten jedoch gestiegen.

„Wenn Kundenströme sinken, Leerstände zunehmen und die Kosten gleichzeitig steigen, wird ein Standort irgendwann wirtschaftlich nicht mehr tragfähig“, heißt es in dem Statement. Man habe über Jahre versucht, Lösungen zu finden und Gespräche mit Vermietern zu führen. Nun sei eine grundlegende Neuordnung notwendig geworden.

Das Unternehmen betont, es gehe nicht um eine Geschäftsaufgabe. Die Planinsolvenz solle wirtschaftlich gesunde Bereiche stärken und die Parfümeriekette langfristig handlungsfähig machen. „Wir bitten in dieser Phase nicht um Mitleid. Wir bitten um Vertrauen“, erklärte die Familie.

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